Harnoncourt und Concentus Musicus: Mit Feingefühl zur symphonischen Freiheit

11. Mai 2015, 11:57
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Stehender Beifall nach dem letzten Abonnementkonzert des Ensembles in dieser Saison

Wien - Letztlich wurzelt bei ihm alles in der Liebe zur Musik: seine Sorgfalt wie auch seine Rigidität, seine Zärtlichkeit wie auch sein Furor. "Die Kunst hat viele richtige Auslegungen, aber auch viele falsche", meinte Dirigent Nikolaus Harnoncourt beim letzten Abonnementkonzert seines Concentus Musicus in dieser laufenden Saison. Und, so ergänzte Harnoncourt: "Wenn Sie nach dem Konzert nach Hause gehen, dann sind Sie nicht der, der Sie vorher waren."

Mit einer Krücke schritt der nunmehr 85-Jährige zum Dirigentenpult, langsam und unter Mühen. Ludwig van Beethovens vierte und fünfte Symphonie wurden gespielt, und die Mitglieder des Concentus Musicus musizierten am vergangenen Samstag mit all ihren erfrischenden wie herzerwärmenden Qualitäten.

Wo Musik erzählt

Sie taten es also mit dieser speziellen Unmittelbarkeit, dieser persönlichen Bewegtheit und Offenherzigkeit; mit Beredtheit außerdem, mit Feingefühl und diesem einzigartigen Gemeinschaftsgeist, der das Ensemble über so viele Jahre der Zusammenarbeit mit Harnoncourt auszeichnet. Es war ein kollektives musikalisches Erzählen, Debattieren und Streiten aus tiefster Überzeugung und Liebe zur Musik.

Unterdrückung und Befreiung und Öffnung nach außen: Das ist nach Dirigent Nikolaus Harnoncourt das Programm der fünften Symphonie von Meister Beethoven. Mit der Kraft von Nebelhörner bliesen die Posaunen im Finalsatz denn auch zur Freiheit. Der Konzertmeister, also Erich Höbarth, stürmte und drängte gewissermaßen mit dem Elan und dem Herzen eines 20-Jährigen in die große C-Dur-Freude.

Es gab sodann natürlich stehenden Beifall im Großen Musikvereinssaal, es gab Gefühle der Rührung, und es ging irgendwie eine Stimmung von Abschied um. Nicht wenige hatten Tränen in den Augen. (Stefan Ender, 11.5.2015)

  • Auf den Spuren Beethovens: Nikolaus Harnoncourt.
    foto: epa/herbert p. oczeret

    Auf den Spuren Beethovens: Nikolaus Harnoncourt.

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