Kosovo schickt Sonderpolizei an Grenze zu Mazedonien

11. Mai 2015, 16:10
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Unter festgenommenen Mitgliedern der "Terroristengruppen" sind auch einstige Bodyguards mazedonischer und kosovarischer Politiker

Skopje/Prishtina – Nach dem Einsatz der mazedonischen Polizei gegen eine Gruppe von Bewaffneten in der mazedonischen Stadt Kumanovo am Wochenende hat der Kosovo in der vergangenen Nacht eine Sonderpolizei-Einheit an die Grenze zu Mazedonien geschickt. Mazedonische Behörden hatten zuvor angegeben, dass einige Mitglieder der zerschlagenen "Terroristengruppe" aus dem Nachbarland gekommen seien.

Laut mazedonischen Medienberichten sollen sich unter den rund 30 festgenommenen Bandenmitgliedern auch einige frühere Bodyguards mazedonischer und kosovarischer Politiker befinden. Namentlich wurde Dem Shehu aus der kosovarischen Stadt Decani genannt. Der einstige Angehörige der kosovo-albanischer Milizen "Befreiungsarmee des Kosovo" (UÇK) soll demnach 2001 auch an Kämpfen bewaffneter albanischer Gruppen gegen die mazedonischen Sicherheitskräfte teilgenommen haben. Danach soll er eine Zeit lang Bodyguard von Ali Ahmeti, dem Chef der mitregierenden Demokratischen Integrationsunion (DUI), gewesen sein. Ahmeti war 2001 Anführer der albanischen Milizen in Mazedonien.

Beg Rizaj, ein weiterer einstiger UÇK-Angehöriger aus dem Kosovo, war nach dem Krieg Leibwächter von Ramush Haradinaj, dem derzeitigen Chef der oppositionellen Allianz für die Zukunft (AAK). Haradinaj war während des Kosovo-Krieges UÇK-Anführer im Westen des Landes. Aus dem Kosovo soll auch Sami Ukshini alias "Kommandant Sokoli" stammen, hieß es in Medienberichten.

Präsident gibt Informationen bekannt

Der mazedonische Präsident Djordje Ivanov hat am Montag in Skopje Vertreter der USA, der EU, der OSZE sowie der NATO über die zweitägigen Kämpfe mit 22 Toten in der Stadt Kumanovo informiert. Dabei habe er erneut die zehnjährige Blockade eines EU- und NATO-Beitritts seines Landes als eine der Ursachen für den Gewaltausbruch bezeichnet, ließ das Staatsoberhaupt anschließend mitteilen.

Die Staats- und Regierungsspitze hatte am Vortag "albanische Terroristen" aus dem benachbarten Kosovo für die Kämpfe verantwortlich gemacht. Die Spezialpolizei hat inzwischen die drittgrößte Stadt des Landes wieder verlassen. Tausende in Sicherheit gebrachte Einwohner konnten wieder in ihre Häuser zurückkehren, von denen viele jedoch schwerbeschädigt sind. Die Schulen blieben geschlossen, die Stromversorgung war in einigen Stadtteilen immer noch unterbrochen. Auch Hunderte ins Nachbarland Serbien geflüchtete Menschen konnten wieder nach Hause zurückkehren.

Mindestens 22 Tote

In der bewaffneten Auseinandersetzung waren in Kumanovo acht Polizisten und 14 bewaffnete Albaner ums Leben gekommen, 37 Polizisten wurden verletzt. Angaben über mögliche zivile Opfer wurden von mazedonischen Behörden bis Montag nicht gemacht.

Die 30 Festgenommenen sind nun offiziell des "Terrorismus zur Gefährdung der Verfassungsordnung" verdächtigt, ihnen wird zudem auch die "Vereinigung zwecks feindlicher Aktivität" angelastet, gab die mazedonische Staatsanwaltschaft zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität und Korruption bekannt. (APA, 11.5.2015)

  • Bei dem Gefecht am Wochenende wurden mehrere Häuser zerstört.
    foto: ap/kryeziu

    Bei dem Gefecht am Wochenende wurden mehrere Häuser zerstört.

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