Forscherin erstellt Hitliste der Umweltchemikalien

11. Mai 2015, 11:28
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An der Universität Innsbruck wurde ein Frühwarnsystem entwickelt: Chemikalien können dadurch gezielter getestet werden

Innsbruck - Chemikalien befinden sich in Putzmitteln, Kosmetika, Plastikprodukten, Textilien und Nahrungsergänzungsmitteln. Viele Substanzen sind noch unzureichend erforscht. Die Pharmazeutin Daniela Schuster entwickelte daher in einem Projekt des Wissenschaftsfonds FWF ein computerbasiertes "Frühwarnsystem". Dadurch kann gezielter getestet werden. Die Forscherin am Institut für Pharmazie der Universität Innsbruck griff dafür auf ihre Erfahrung im Bereich der Medikamentenentwicklung zurück.

Für die Untersuchung der Wirkmechanismen von Arzneien hat Schuster "Pharmakophormodelle" am Computer entwickelt. Diese wendet sie nun auf Umweltchemikalien an, indem sie anhand von 3-D-Modellen simuliert, ob, wo und wie sie im Körper andocken und welche Nebenwirkungen sie verursachen können. "Dadurch können wir abschätzen, welche Chemikalien am ehesten eine biologische Wirkung zeigen, und diese in der Testung vorziehen", sagt Schuster.

Gemeinsam mit ihrem Team und internationalen Partnern wurde eine Screeningplattform erstellt, die auf dem Prinzip des Pharmakophormodells basiert. Die Modelle werden mit Datenbanken abgeglichen, die Umweltchemikalien auflisten. Die Chemikalien aus den "Hitlisten" werden bevorzugt getestet.

Erste Ergebnisse zu Parabenen

Schuster berichtet von ersten Ergebnissen: "Es zeigt sich, dass Parabene den Östrogenabbau hemmen. Das bedeutet, es könnten östrogenabhängige Tumore in ihrer Entwicklung begünstigt werden." Parabene werden zum Beispiel zur Konservierung von Kosmetika eingesetzt.

"Weiters haben wir Vertreter von Vanillinderivaten entdeckt, die ebenfalls den Östrogenspiegel erhöhen können", sagt die Forscherin. Solche Geschmacksstoffe sind etwa in Kaugummis enthalten. Auch einige Lebensmittelfarben hätten das Potenzial, den Östrogenspiegel zu beeinflussen, wie Tests der Pilotstudie zeigen.

Im Rahmen des Reach-Programms der EU und des US-National-Toxicity-Programms werden Chemikalieninzwischen systematisch auf ihre Auswirkungen hin untersucht. (july, 11.5.2015)

  • In vielen Kosmetikprodukten befinden sich Chemikalien. Die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus sind noch unzureichend erforscht.
    foto: apa/bernd thissen

    In vielen Kosmetikprodukten befinden sich Chemikalien. Die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus sind noch unzureichend erforscht.

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