Schießerei in Kumanovo: Alles oder nichts

Kommentar10. Mai 2015, 18:12
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Der Terror in Kumanovo ist beendet - die Krise bleibt

Der mazedonische Premier Nikola Gruevski präsentierte sich am Sonntag als erfolgreicher Terrorismusbekämpfer, der das Land stabilisiert. Die acht in Kumanovo erschossenen Polizisten wurden zu Helden erklärt. Doch eigentlich ist überhaupt nicht klar, welche Leute an diesem Wochenende aus welchem Grund die Polizei angegriffen haben. Für einen ethnischen Konflikt in der multikulturellen Stadt gab es jedenfalls keine Hinweise.

Das heißt aber nicht, dass man in Mazedonien nicht langfristig die innenpolitische Krise, die sich seit Monaten zuspitzt, ethnisch aufladen kann. Viele Albaner - etwa 25 Prozent der Bevölkerung - fühlen sich trotz mehr Autonomie diskriminiert. Einer der gefährlichsten Parameter ist zurzeit das Misstrauen, das überhandnimmt. In Mazedonien, wo die Regierungspartei VMRO-DPMNE Polizei, Justiz und Medien dominiert und nach ihren Interessen dirigiert, kann man nicht wie in einer normalen Demokratie staatlichen Institutionen oder Informationen vertrauen.

Die Konsequenz: Es blühen Verschwörungstheorien und Gerüchte, die in Panik und Gewalt umschlagen können. Das Land ist ohnehin in einer schweren Krise. Denn trotz der Veröffentlichung abgehörter Telefonate, die die Untaten des Regimes dokumentieren, gibt es bislang keine Konsequenzen. Die Regierung setzt auf alles oder nichts. Dieser Unwillen, auf diplomatischem Weg Stabilisierung zu suchen, macht ein zweites Kumanovo wahrscheinlicher. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 11.5.2015)

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