Ringen um Grunderwerbssteuer

10. Mai 2015, 17:44
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Die Steuer fällt auch an, wenn ein Grundstück innerhalb eines Konzerns übertragen wird, im Zuge der Steuerreform könnte die Belastung nun steigen

Wien – Beim Verkauf eines Grundstücks wird die Grunderwerbssteuer (GrESt) fällig, die in der Regel 3,5 Prozent des Verkehrswerts beträgt. Die Steuer fällt auch an, wenn ein Grundstück innerhalb eines Konzerns durch Umgründung – Verschmelzung, Umwandlung, Einbringung oder Spaltung von Gesellschaften – übertragen wird. So will der Gesetzgeber vermeiden, dass durch gesellschaftsrechtliche Transaktionen die Steuer umgangen wird.

Bei Umgründungen beträgt sie nur das Zweifache beziehungsweise Dreifache des Einheitswerts. Aber bei wertvollem Immobilienbesitz kommen da doch hohe Steuerbeträge zusammen, die oft dazu führen, dass auf Bereinigungen von Konzernstrukturen verzichtet wird.

Im Zuge der Steuerreform könnte diese Belastung noch steigen, warnt Christine Weinzierl, Partnerin bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC. Noch wird hinter geschlossenen Türen verhandelt, aber es sei möglich, dass im Zuge der neuen GrESt auf Erbschaften und Schenkungen auch die Steuer bei Umgründungen auf 3,5 Prozent des Verkehrswerts angehoben wird. Dies wäre ein Schaden für den Wirtschaftsstandort, weil es sinnvolle Restrukturierungen verhindert, warnt Weinzierl im STANDARD-Gespräch.

"Sie gehört abgeschafft"

"Die konzerninterne GrESt verhindert so viel, was positiv wäre", sagt sie. "Sie gehört überhaupt abgeschafft." Oft würden Töchter getrennt weitergeführt, was zusätzliche Kosten bei Bilanzierung und Management verursacht, oder über komplizierte Konstruktionen versucht, bei Umgründungen den Immobilienbesitz nicht zu verschieben.

Weinzierl verweist auf das Beispiel Deutschland, wo seit 2010 eine unternehmensfreundlichere Regelung besteht: Werden Gesellschaftsanteile mindestens fünf Jahre vor oder nach einer Umgründung gehalten, fällt keine GrESt an. Weinzierl: "Das könnte auch Österreich übernehmen." (ef, 11.5.2015)

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