Über 20.000 Besucher bei Mauthausen-Gedenken

10. Mai 2015, 08:30
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Befreiungsfeier stand im Zeichen jener, die im Steinbruch des Konzentrationslagers bis zu ihrem Tod arbeiten mussten

Mauthausen – Über 22.000 Besucher aus Österreich und dem Ausland nahmen 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen an einer Gedenkfeier teil. Auch 50 Überlebende waren anwesend.

"In einer Zeit, in der Intoleranz und Diskriminierung sowohl in Österreich als auch weltweit noch immer ein Thema sind, ist es umso wichtiger, sich vor Augen zu halten, zu welchen Konsequenzen diese Haltung vor 70 Jahren geführt hat: nämlich zur Vernichtung von Millionen Menschenleben und zu einem entwürdigenden Umgang mit Menschen", sagte Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) in einer Aussendung.

Der Gedenkzug wurde von Überlebenden angeführt, die im KZ Mauthausen und in den Außenlagern gefangen gehalten wurden. Auch Bundespräsident Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Doris Bures, Bundeskanzler Werner Faymann, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und EU-Kommissar Johannes Hahn sowie etliche ausländische Staatsgäste nahmen an der Befreiungsfeier teil.

Bereits seit der Früh hielten Abordnungen unterschiedlicher Volks-, Religions- und Gesinnungsgemeinschaften eigene kleine Gedenkzeremonien ab. Zur offiziellen Befreiungsfeier zogen, begleitet von Chören aus aller Welt und der oberösterreichischen Militärmusik, die Abordnungen dann über den Appellplatz ein. Die Schauspielerinnen Mercedes Echerer und Konstanze Breitebner verlasen Berichte ehemaliger Gefangener.

Nur elf Überlebende nach "Hasenjagd"

Mernyi erinnerte in seiner Ansprache an den Ausbruchsversuch von 500 russischen Offizieren aus dem KZ im Februar 1945. Nur elf überlebten diese "Hasenjagd", der Rest wurde "erschossen, erschlagen, erstochen von SS und Polizei, aber auch von der Hitlerjugend und der normalen Bevölkerung". "Die Unmenschlichkeit von damals bekämpfen wir am besten, indem wir die Unmenschlichkeit von heute bekämpfen", forderte Mernyi Solidarität mit jenen ein, die "heute nicht aus Europa, sondern nach Europa flüchten und im Mittelmeer ihr Leben riskieren".

Der Überlebende Max R. Garcia sagte zu Journalisten: "In Afrika erschießen sie jeden, Frauen, Kinder, Männer." Er bezweifelt, dass die Menschheit aus der Geschichte gelernt hat. Es sei aber wichtig, immer wieder über die Geschehnisse von damals mit der Jugend zu reden, ist er überzeugt: "Wenn die Leute kommen, das freut mich, deshalb bin ich als Zeitzeuge hier."

Aba Lewit, ebenfalls ehemaliger Mauthausen-Insasse, schilderte, wie er mit 16 in ein Arbeitslager und über mehrere Stationen schließlich nach Mauthausen kam, wo er bis 1945 interniert war, nur "weil ich Jude bin". Was es für ein Gefühl sei, wieder hier zu sein? "Ausdrücken kann ich es nicht." Er erzählt, wie er Zeuge wurde, dass Menschen getötet wurden und wie ihm nach einer Schusswunde die Kugel mit einem Taschenmesser entfernt und er sechs Monate im KZ versteckt wurde. Seine schlimmste Erinnerung sei aber, "dass ich überlebt habe und andere nicht".

"Vernichtung durch Arbeit"

In diesem Jahr wurde speziell jener gedacht, die im Steinbruch von Mauthausen gezwungen waren, oft bis zur tödlichen Erschöpfung Zwangsarbeit zu verrichten. "Vernichtung durch Arbeit" nannten die Nazis die Methode, bei der die Arbeitskraft der Gefangenen vor deren Tod noch maximal ausgebeutet wurde.

"Die Häftlinge mussten rund 50 Kilogramm schwere Granitsteine über die sogenannte Todesstiege ins Lager hinauftragen. Kein Einziger hat die Zuweisung in die Strafkompanie überlebt", sagte Mernyi.

Die Gewinne flossen in die Kassen der Deutschen Erd- und Steinwerke und der SS. In Mauthausen und seinen Nebenlagern wurden rund 100.000 Menschen von den Nazis ermordet, insgesamt waren rund 200.000 Menschen interniert. Am 5. Mai 1945 trafen erstmals Einheiten der US-Armee in Mauthausen ein und befreiten die Überlebenden. (APA, red, 10.5.2015)

  • Der Gedenkzug wurde von KZ-Überlebenden angeführt.
    mkö/sebastian philipp

    Der Gedenkzug wurde von KZ-Überlebenden angeführt.

  • Bundespräsident Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Doris Bures, Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (von links nach rechts).
    mkö/sebastian philipp

    Bundespräsident Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Doris Bures, Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (von links nach rechts).

  • Willi Mernyi ermahnte, sich vor Augen zu halten, zu welchen Konsequenzen Intoleranz und Diskriminierung vor 70 Jahren geführt haben.
    mkö/sebastian philipp

    Willi Mernyi ermahnte, sich vor Augen zu halten, zu welchen Konsequenzen Intoleranz und Diskriminierung vor 70 Jahren geführt haben.

  • In Mauthausen wurden 100.000 Menschen von den Nazis ermordet. Max R. Garcia überlebte.
    foto: ap/zak

    In Mauthausen wurden 100.000 Menschen von den Nazis ermordet. Max R. Garcia überlebte.

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