Jemen: Skepsis nach Einigung auf Waffenruhe

10. Mai 2015, 14:46
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Feuerpause soll am Dienstag in Kraft treten – Weiter heftige Gefechte in Hafenstadt Aden

Sanaa/Riad – Jemens Huthi-Rebellen haben am Sonntag offenbar einer fünftägigen Waffenruhe für das Land zugestimmt. Saudi-Arabien, das seit mehr als einem Monat gemeinsam mit Verbündeten Luftangriffe auf Stellungen der schiitischen Huthis fliegt, hatte eine solche Feuerpause in der vergangenen Woche vorgeschlagen, diese aber von einer Zustimmung der Rebellen abhängig gemacht.

Laut der Vereinbarung vom Wochenende sollen die Waffen nun ab Dienstag für fünf Tage schweigen. Teile der jemenitischen Armee, die mit den Huthis verbündet sind, bestätigten wenig später die Einigung. Beide Seiten betonten allerdings, dass nicht militärische oder politische Gründe hinter ihrer Entscheidung stünden, sondern die Waffenruhe dringende Hilfslieferungen an Jemens Zivilbevölkerung ermöglichen solle.

Bald nach der Ankündigung gab es allerdings Zweifel, ob die Vereinbarung halten würde. Zumindest am Sonntag gingen die Angriffe beider Seiten vorerst nahtlos weiter: Kampfflugzeuge der Anti-Huthi-Allianz bombardierten erneut mehrere Bezirke der südlichen Hafenstadt Aden, wo sich Huthis und Anhänger des international als legitim anerkannten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi weiterhin heftige Kämpfe lieferten. Zudem nahmen die Kampfjets in der Hauptstadt Sanaa die Residenz des ehemaligen jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh unter Beschuss. Dieser befindet sich in einem Bündnis mit den Huthis, ihm treue Truppenteile sollen erheblichen Anteil an ihrem militärischen Erfolg haben. Saleh blieb offenbar unverletzt.

"Verstoß gegen Völkerrecht"

An der von Saudi-Arabien geführten Koalition zahlreicher sunnitischer Staaten, der sich kürzlich auch der Senegal und Malaysia angeschlossen haben, gibt es wachsende Kritik. Der UN-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten im Jemen, Johannes von der Klaauw, hatte der auch von den USA logistisch unterstützten Allianz am Wochenende "wahllose Angriffe auf besiedelte Gebiete", vorgeworfen. Diese würden "einen Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht" darstellen. (red, 10.5.2015)

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