Bittere Niederlage gegen Lettland erhöht Abstiegsgefahr

9. Mai 2015, 18:50
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Österreichs Eisarbeiter dominieren die Partie, müssen sich trotzdem in der Verlängerung 1:2 geschlagen geben und rutschen auf den letzten Tabellenplatz ab

Prag - Österreichs Eishockey-Nationalteam hat bei der WM in Prag das erste Finale im Abstiegskampf verloren. Die ÖEHV-Auswahl musste sich am Samstag Lettland mit 1:2 n.V. (1:0,0:1,0:0 - 0:1) geschlagen geben, hat aber weiter die Chance auf den Klassenerhalt.

Brian Lebler brachte die Österreicher in Führung (17.), Lauris Darzins (33.) gelang der Ausgleich, ehe Kaspars Daugavins nach 33 Sekunden der Verlängerung die Entscheidung zugunsten der Letten gelang.

Um den Klassenerhalt kommt es damit zu einem Dreikampf zwischen Lettland (4) und Frankreich (3), die am Dienstag aufeinandertreffen, sowie Österreich (3). Schlusslicht Österreich benötigt gegen Deutschland (Montag, 16.15) oder Kanada (Dienstag, 12.15/beide live ORF Sport+) zumindest noch einen Punkt.

Druckvolles ÖEHV-Spiel

Vorsicht prägte die ersten Minuten des ersten Entscheidungsspiels um den Klassenerhalt. Die Österreicher zogen dabei ihr System gegen die Letten, die am Freitagabend eine bittere Niederlage kassiert hatten, perfekt durch. Mit Ausnahme eines Peter-Ausrutschers, den Torhüter Bernhard Starkbaum ausbesserte (5.), arbeiteten sie in der Defensive konsequent, vermieden Strafen und trugen das Spiel die meiste Zeit in das Angriffsdrittel.

Gute Chancen blieben vor 12.735 Zuschauern in der O2 Arena zunächst aus, der Druck von der Ratushny-Truppe ließ aber nicht nach. Das wurde in der 17. Minute belohnt: Nach Pass von Michael Raffl behielt Torjäger Brian Lebler Übersicht und Ruhe und schlenzte die Scheibe ins lange Eck.

Auch im Mitteldrittel hatten die Österreicher das Geschehen im Griff, aus einem der ganz wenigen Kontern gelang Lettland aber der Ausgleich durch Lauris Derzins (33.).

Ungenützte Großchancen

Danach entwickelte sich ein ausgesprochen vorsichtiges Spiel, weil jeder Fehler die Partie entscheiden konnte. Und als die Letten dann patzten, konnte Thomas Raffl seine Riesenchance nach Vorstoß von Thomas Hundertpfund nicht verwerten (54.).

Nachdem die Österreicher ihr einziges Unterzahl-Spiel überstanden hatten, hatten Thomas Raffl (58.) und Michael Raffl (60.) noch einmal dicke Chancen, die Partie nach 60 Minuten zu entscheiden, ihre Schüsse wurden aber wieder eine Beute des glänzenden Letten-Keepers Edgars Masalskis.

Diese vergebenen Möglichkeiten sollten sich rächen, denn Kapitän Daugavins schoss die Letten in der Verlängerung nach nur 33 Sekunden zum Sieg. (APA, 9.5.2015)

Gruppe A:

Österreich - Lettland 1:2 n.V. (1:0,0:1,0:0;0:1)
Prag, 12.735.

Tore: Lebler (17.) bzw. Darzins (33.), Daugavins (61.). Strafminuten: 2 bzw. 6 plus 10 Disziplinar Jerofejevs.

Österreich: Starkbaum - Pallestrang, Heinrich; Mühlstein, Altmann; Schumnig, F. Iberer; Peter - Herburger, M. Raffl, Lebler; Latusa, Komarek, Th. Raffl; Rotter, Hundertpfund, M. Geier; Cijan, Fischer, N. Petrik

Lettland: Masalskis - K. Redlihs, Jerofejevs; Sotnieks, Galvins; Sirokovs, Cibulskis; Jass - Darzins, Daugavins, Dzerins; Sprukts, M. Redlihs, Bukarts; Abols, Cipulis, Indrasis; Saulietis, Berzins, Bajaruns; Skvorcovs

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Ergebnisse und Tabellen

Stimmen:

Daniel Ratushny (Teamchef Österreich): "Ich bin sehr, sehr enttäuscht. Ich bin über das Ergebnis wütend, aber sehr glücklich mit der Art und Weise, wie die Burschen gespielt haben. Hoffentlich verwerten wir beim nächsten Mal auch unsere Chancen. Das war unser stärkstes Spiel bei dieser WM, defensiv stark und wir hatten viele gute Torchancen, auf jeden Fall genug, um mehr als nur ein Tor zu schießen. Aber ihr Torhüter war gut. Mit gutem Schlaf und gutem Training morgen sind wir bereit für das nächste Spiel."

Zum Spiel gegen Deutschland: "Ich kann mir vorstellen, da gibt es eine große Rivalität. Das sind Dinge, weshalb Sport so viel Spaß macht. Wenn wir weiter so spielen wie heute, defensiv gut stehen, weiter viele Chancen herausspielen und auch abschließen, dann haben wir eine gute Chance zu gewinnen."

Alexander Beliavski (Teamchef Lettland): "Wir haben ein sehr aggressives Spiel von Österreich erwartet. Das haben sie im ersten Drittel sehr gut gemacht, wir hatten viele Probleme, sie hatten gute Chancen. Im Mitteldrittel sind wir ins Spiel gekommen, haben uns auch einige Chancen erspielt. Wir waren glücklich, dass wir das Tor gemacht haben. Schlussdrittel war es ein taktischen Spiel von beiden Teams."

Michael Raffl (Stürmer Österreich): "Wir hätten uns mehr verdient heute. Es ist schwer, ein Eishockey-Spiel zu gewinnen, wenn man nur ein Tor schießt. Wir haben super Charakter gezeigt nach dem 1:1, sind aus der Kabine gekommen und waren weiterhin die bessere Mannschaft. Ab und zu läuft es nicht so, es war ein schlechter Zeitpunkt, dass die Scheibe nicht springt. Kopf hoch, es war heute eines der besten Spiele, die ich für Österreich habe machen dürfen, das macht mich schon sehr stolz. Die Deutschen sind sicher in unserer Reichweite. Wir werden morgen analysieren, und dann alles daran setzen, das Spiel zu gewinnen. So wie heute, und dann wird das schon klappen."

Thomas Raffl (Kapitän Österreich): "Wir haben den Großteil des Spiels dominiert, das Spiel gemacht und durch eine kleine Unachtsamkeit den Ausgleich bekommen. In der Verlängerung ist dann immer alles möglich, ein Schuss, der alles entscheidet. Jeder gibt alles, jeder macht alles für Österreich, das ist mit 100-prozentiger Garantie heute passiert. Vorne haben wir die Chancen nicht genützt. Man muss jetzt weiterschauen, eines der nächsten Spiele gewinnen, dann sehen wir, was passiert."

Dominique Heinrich (Verteidiger Österreich): "Wir haben den Großteil des Spiels dominiert, heute hat es wieder einmal mit der Chancenauswertung gehapert. Wir hatten einige sehr gute Torchancen, konnten sie aber leider nicht verwerten. Wenn wir in der A-Gruppe bleiben wollen, müssen wir das so schnell wie möglich ändern, damit wir Ergebnisse erzielen können. In der zweiten Pause ist jeder positiv geblieben, wir hätten nur ein Drittel gewinnen müssen, um oben zu bleiben, haben aber nur Unentschieden gespielt und in der Overtime leider den Treffer kassiert. Wir werden uns gut erholen und dann wieder 100 Prozent geben, so wie heute."

  • Egal ob auf Rasen oder Eis, wer die Tore nicht schießt, bekommt sie.
    foto: reuters/david w cerny

    Egal ob auf Rasen oder Eis, wer die Tore nicht schießt, bekommt sie.

  • Sicherer Rückhalt der Letten: Edgars Masalskis, der zig Topchancen von Michael Raffl und Co. zunichte machte.
    foto: ap/ petr david josek

    Sicherer Rückhalt der Letten: Edgars Masalskis, der zig Topchancen von Michael Raffl und Co. zunichte machte.

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