Reparationsforderungen in der Athener U-Bahn

9. Mai 2015, 13:14
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Bildschirme in der Athener U-Bahn zeigen statt Wettervorhersagen seit neuestem Kurzfilme passend zu den Forderungen nach Entschädigung

Athen/Berlin/Europa-weit - Bildschirme in der Athener U-Bahn zeigen statt Wettervorhersagen seit Neuestem Forderungen nach deutschen Reparationszahlungen für die Verbrechen während der Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg. Die Idee zu dem 50-sekündigen Kurzfilm sei während eines Treffen des Verteidigungsministeriums mit Organisationen zum Weltkriegsgedenken gekommen, so Markos Charitos vom griechischen Reparationsausschuss.

Der Film wird in 35 U-Bahnhöfen gezeigt. Zu sehen sind zunächst Bilder von deutschen Kampfflugzeugen über dem Parthenon unterlegt mit den Worten "Zweiter Weltkrieg, Widerstand, wir vergessen nicht". Es folgen eine Reihe von Schwarz-Weiß-Fotos von Opfern aus der Besatzungszeit. Dann wird eine Reihe von Forderungen aufgelistet, darunter Reparationen für Verluste, die Rückzahlung von Schulden und Entschädigung für Opfer sowie die Rückgabe archäologischer Schätze. "Wir fordern Deutschlands Schulden ein", heißt es schließlich.

"Moralische Frage"

Die griechische Regierung unter der linken Syriza-Partei dringt seit ihrem Amtsantritt im Jänner auf weitere Reparationen und spricht von einer "moralischen Frage", die gelöst werden müsse. Auch Ministerpräsident Alexis Tsipras setzte sich bei seinem Besuch bei der deutschen Kanzlerin Angela Merkel dafür ein. Aus Sicht der Bundesregierung ist die Frage der Entschädigungen für die deutschen Verbrechen während des Zweiten Weltkrieges aber abschließend geregelt.

Merkel sagte im März, sie sehe die Frage "politisch und rechtlich abgeschlossen", bekannte sich aber zur Verantwortung für die Verbrechen der Nazis. Berlin verweist auf eine Einigung von 1960 mit Griechenland und anderen betroffenen Staaten. Aus Sicht Deutschlands schließt der 4+2-Vertrag von 1990 zudem künftige Reparationsforderungen aus.

Schäuble warnt Staatspleite

Deutschlands Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat indes vor einer überraschenden Staatspleite Griechenlands gewarnt. Trotzdem rechnet er einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zufolge nicht mit einer Einigung im Schuldenstreit beim Treffen der Finanzminister der Eurogruppe am Montag.

"Erfahrungen anderswo auf der Welt haben gezeigt: Ein Land kann plötzlich in die Zahlungsunfähigkeit rutschen", sagte der CDU-Politiker der FAS laut Vorabbericht. Auf die Frage, ob die Bundesregierung für einen solchen Fall Vorbereitungen getroffen habe, sagte er: "Es gibt Fragen, die ein vernünftiger Politiker nicht beantworten darf."

Deutschland werde "alles tun, um Griechenland unter verantwortbaren Konditionen in der Euro-Zone zu halten", sagte Schäuble weiter. "An uns darf das nicht scheitern." In dieser Frage sei er sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel einig.

Mit Blick auf das Treffen der Eurogruppe am Montag in Brüssel sagte Schäuble: "Ich sehe nicht, dass sich bis dahin alles klärt." (APA/Reuters, 9.5.2015)

  • Eingang zu einer U-Bahn-Station in Athen.
    foto: reuters/behrakis

    Eingang zu einer U-Bahn-Station in Athen.

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