0:4 - Chancen sind gut, Tore sind besser

8. Mai 2015, 22:58
131 Postings

Man kann gegen Eishockey-WM-Gastgeber Tschechien mit 0:4 verlieren, und Österreich hat am Freitag mit 0:4 verloren. Beide Teams waren erleichtert. Österreich hat am Samstag (16.15 Uhr) gegen Lettland anzutreten, diese Partie ist wirklich wichtig

Prag - Die O2-Arena im Nordosten von Prag kann schon in leerem Zustand einiges, und am Freitag war sie voll, bummvoll. 17.400 Fans waren gekommen, um Tschechien gegen Österreich zu sehen, um zu feiern. Der 8. Mai, der "Tag der Befreiung", ist in Tschechien ein Staatsfeiertag, und es wäre nicht auszudenken gewesen, hätte Österreich die Party verdorben. Doch die Österreicher spielten sehr brav mit, eine Zeitlang sogar im doppelten Sinn.

Das erste Drittel konnte sich wirklich sehen lassen, sogar bis Mitte des zweiten Drittels hielt die Truppe von Teamchef Daniel Ratushny ein 0:0. Dabei vergaben Manuel Latusa und Brian Lebler sogar gute, nein, ausgezeichnete Chancen auf eine österreichische Führung. In der zweiten Hälfte des zweiten Drittels aber entschied der Gastgeber die Partie mit drei Toren für sich. Das vierte Tor nach nur sieben Sekunden im Schlussabschnitt bedeutete den Endstand. Nemec (32.), Zatovic (39.), Sobotka (40.) und Voracek (41.) waren die Torschützen. Am Ende des zweiten Abschnitts stand die Halle quasi kopf, sie vibrierte förmlich, da 17.400 Menschen hüpften und klatschten.

Alle Goals fielen bei fünf gegen fünf, und doch waren zwei, drei Strafen entscheidend, die Österreich zu Beginn des Mitteldrittels kassierte. "Das lange Unterzahlspiel hat uns sehr viel Kraft gekostet", sagte Ratushny. Er hofft, dass die Spieler am Samstag gegen Lettland (16.15, live auf ORF Sport plus undderStandard.at/Sport) unnötige Strafen vermeiden. Lettland, das wird für Österreich die eine entscheidende Partie um den Klassenerhalt, Deutschland (Montag) wird die zweite.

Um die Stimmung

Ratushny war nach dem 0:4 bemüht, die Stimmung hochzuhalten, er lobte seine Cracks. "Wir haben es leider nicht geschafft, unser Niveau sechzig Minuten zu halten. Aber wir haben zu Beginn mehr gute Chancen vorgefunden als im gesamten Match gegen Frankreich, und wir haben am Ende Charakter gezeigt." Schade sei nur, dass die Mannschaft nicht mit dem einen oder anderen Tor belohnt worden sei.

Unter dem Strich steht, dass Österreich in der ersten Partie dreimal und in den nächsten drei Partien insgesamt nur einmal gescort hat. Gegen Lettland soll der Schnitt wieder gehoben werden. Vor dem eigenen Tor leisten die Österreicher gute Arbeit, die Stürmer blockieren viele Schüsse, und auf Goalie Bernhard Starkbaum ist Verlass. Auch gegen die Tschechen zeigte er einige Glanzparaden, ehe Ratushny bei 0:3 Rene Swette brachte, um Starkbaum für Lettland zu schonen. "Das Positive ist, dass wir in jedem Spiel zu Chancen kommen", sagte Starkbaum, um nach einer kurzen Pause hinzuzufügen: "Wir müssen sie halt einmal nützen."

Brian Lebler taucht allein vor Ondrej Pavelec auf, scheitert aber am tschechischen Goalie - eine von etlichen Chancen der Österreicher im ersten Drittel. "Diese Chancen geben uns Selbstvertrauen", sagte Österreichs Teamchef Daniel Ratushny. Aber er gibt schon zu, dass Tore noch mehr gebracht hätten. (Fritz Neumann, DER STANDARD - 9./10.5. 2015)

ERGEBNISSE:

Gruppe A in Prag - 8. Spieltag:

Tschechien - Österreich 4:0 (0:0,3:0,1:0). 17.383 Zuschauer (ausverkauft).
Tore: Nemec (32.), Zatovic (39.), Sobotka (40.), Voracek (41.)

Prag, . Tore: Nemec (32.), Zatovic (39.), Sobotka (40.), Voracek (41.). Strafminuten: 4 bzw. 10.

Tschechien: Pavelec - Hejda, Jordan; Kolar, Nakladal; Nemec, Caslava; Krejcik - Hertl, Sobotka, Voracek; Jagr, Kovar, Cervenka; Novotny, Smolenak, Erat; Koukal, Zatovic, Simon

Österreich: Starkbaum (41. Swette) - Pallestrang, Heinrich; Schumnig, Mitterdorfer; Mühlstein, Altmann; Peter - Latusa, Komarek, Th. Raffl; Herburger, M. Raffl, Lebler; Rotter, Hundertpfund, Ganahl; Cijan, Fischer, N. Petrik; Woger

Nächste Runde:

Österreich - Lettland (Samstag 16.15)

Deutschland - Lettland 2:1 (0:1,0:0,2:0)
Tore: Wolf (47./PP), Plachta (58.) bzw. Darzins (12./PP)

Gruppe B in Ostrava - 8. Spieltag:

Slowenien - Norwegen 1:3 (0:1,1:2,0:0)
Tore: Mursak (21.) bzw. Thoresen (9./PP), Bastiansen (24./PP), Holos (39./PP)

USA - Dänemark 1:0 (0:0,1:0,0:0)
Tor: Nelson (28.)

Stimmen:

Daniel Ratushny (Teamchef Österreich): "Ich bin stolz, wie meine Mannschaft heute gekämpft hat. Wir hatten ein gutes erstes Drittel, Chancen wie gegen Frankreich. Aber die Tschechen haben Mitte des zweiten Drittels ihr Spiel gefunden. Letztlich konnten wir ihr Niveau nicht 60 Minuten spielen."

Vladimir Ruzicka (Teamchef Tschechien). "Im ersten Drittel sind wir nicht gut eisgelaufen, da waren wir ein bisschen unter Druck. Im Mitteldrittel haben wir den Druck erhöht, hatten mehr Chancen und haben glücklicherweise auch Tore gemacht. Danach hatten wir die Partie unter Kontrolle."

Martin Schumnig (Verteidiger Österreich): " Das Spiel war was Besonderes, die Fans waren sehr fanatisch, die haben ihr Team gepusht. Es war ein tolles Erlebnis."

Dominique Heinrich (Verteidiger Österreich): "Wir haben wirklich gut angefangen, es wäre schön gewesen, wenn wir mit einem Tor belohnt worden wären, leider hat es nicht geklappt. Wir haben noch genug Kraft für morgen."

Thomas Raffl (Kapitän Österreich): "Für jeden Sportler ist es enttäuschend, wenn man ein Spiel verliert. Aber bei so einem Turniermodus darf man das nicht einwirken lassen. Wir müssen das Spiel abhaken und die positiven Sachen mitnehmen."

Bernhard Starkbaum (Torhüter Österreich): "Das Positive ist, dass man sieht, dass wir auch gegen solch große Nationen zu Großchancen kommen. Wir müssen sie - zum Beispiel morgen - einfach nützen.

Michael Raffl (Stürmer Österreich): "Nach dem 0:1 müssen wir smarter sein, nicht gleich probieren, das 1:1 zu schießen, das wird gegen solche Mannschaften nicht funktionieren. Wir haben eine junge Mannschaft, sind vielleicht nicht routiniert genug, das ist ganz normal."

  • Die Österreicher (Dominique Heinrich, Mario Fischer) stemmten sich in der bummvollen Prager O2 Arena so gut es ging gegen die tschechische Übermacht (Jaromir Jagr).
    foto: ap/josek

    Die Österreicher (Dominique Heinrich, Mario Fischer) stemmten sich in der bummvollen Prager O2 Arena so gut es ging gegen die tschechische Übermacht (Jaromir Jagr).

  • Brian Lebler fehlten im Duell mit Tschechiens Keeper Ondrej Pavelec nur Zentimeter zur österreichischen Führung.
    foto: reuters/cerny

    Brian Lebler fehlten im Duell mit Tschechiens Keeper Ondrej Pavelec nur Zentimeter zur österreichischen Führung.

Share if you care.