Disparate Verteidiger

9. Mai 2015, 12:10
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"Als Wehrmacht und GIs gegen die SS kämpften": Stephen Hardings "Die letzte Schlacht"

Verwegen ist es, das Schlacht zu nennen, was sich in den ersten Maitagen des Jahres 1945 in und um Schloss Itter im Brixental unweit Wörgls ereignete. Kriegsentscheidend war das vermutlich letzte Bodengefecht des Zweiten Weltkrieges natürlich nicht, ungewöhnlich und daher beschreibenswert aber allemal. Schließlich verteidigten eine Handvoll GIs und zu Widerstandskämpfern gewordene, ehemalige österreichische und deutsche Wehrmachtssoldaten im Außenlager des Konzentrationslagers Dachau festgehaltene, sogenannte Ehrenhäftlinge gegen eine rund 150 Mann zählende Einheit der Waffen-SS.

Weniger die detaillierte und beinahe erschöpfende Aufzählung beteiligter militärischer Einheiten, ihrer Ausrüstung und ihrer Vorgehensweise, als die Porträts der Handelnden fesseln am von Andreas Wirthensohn ins Deutsche übersetzten Bericht des Journalisten und US-Militärhistorikers Stephen Harding. Als da sind der US-Kommandant der Aktion, John C. Lee Jr., der Bayer Josef Gangl, der sich vom hochdekorierten Karrieresoldaten zum Widerstandskämpfer wandelte und auf Schloss Itter starb, vor allem aber die 14 inhaftierten Damen und Herren aus Frankreich, die den Nazis als Faustpfand dienten.

Darunter befanden sich die ehemaligen Premierminister Paul Reynaud und Édouard Daladier, die Generäle Maurice Gamelin und Maxime Weygand, der Gewerkschaftsführer Léon Jouhaux oder die im Vichy-Regime politisch tätige Tennislegende Jean Borotra. Sie alle kamen zumindest körperlich unversehrt davon. Dank des Einsatzes ihrer höchst disparaten Verteidiger. (Sigi Lützow, 9.5.2015)

  • Stephen Harding, "Die letzte Schlacht". € 25,90 / 319 S. Zsolnay- Verlag, Wien 2015
    foto: zsolnay- verlag

    Stephen Harding, "Die letzte Schlacht". € 25,90 / 319 S. Zsolnay- Verlag, Wien 2015

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