Millionen für atomare Altlasten in Seibersdorf

8. Mai 2015, 19:02
30 Postings

Das Verkehrsministerium hat für Dekontaminierung bis 2035 vorgesorgt. Das ergibt sich aus dem Bundesrechenabschluss für 2014

Wien – Ein Stückchen Kostenwahrheit in Sachen Atomenergie, Reaktor- und Brennstoffforschung förderte der Bundesrechnungsabschluss 2014 zutage, den der Rechnungshof (RH) soeben unter die Lupe genommen hat. Atomenergiefrei, wie sich Österreich gern gibt, ist diesbezüglich das Kapitel 34 auffällig, finden sich doch hier überraschend 176,56 Millionen Euro an Vorsorgen, die das Verkehrsministerium für "Dekontaminierungen" vorgenommen hat.

Selbige sind laut STANDARD-Recherchen im niederösterreichischen Seibersdorf im Gang, konkret in der Nuclear Engineering Service GmbH (NES), einem Ableger des in Austrian Institute of Technology (AIT) umbenannten Forschungszentrums Seibersdorf.

Noch kein Endlager

Diese NES hat seit dem Rückbau des Forschungsreaktors in Seibersdorf – wurde vor Jahren abgeschlossen, die Brennstäbe sind längst in die USA verbracht – zwei Kernaufgaben: die Dekontaminierung von radioaktivem Abfall, wie er in Baumaterialien, Krankenhäusern, Universitätskliniken und in der Industrie anfällt, sowie den Rückbau der Gebäude und Anlagen aus der Zeit der Reaktorforschung in Seibersdorf. Letzteres ist aufgrund der gestiegenen Menge des zu dekontaminierenden Materials aufwendiger und wird rund zehn Jahre länger dauern und macht 60 Prozent der eingangs genannten 177 Millionen Euro aus, für die im Bundeshaushalt Rückstellungen gebildet wurden. Rund 40 Prozent werden dem Verkehrsministerium vom Gesundheitsressort rückerstattet, weil die Seibersdorfer eben auch Spitalsmüll etc. sortieren, zerlegen, behandeln, reduzieren und so zerkleinern, dass er in Fässern zwischengelagert werden kann. Ein Endlager gibt es für den heiklen Abfall noch nicht.

Zwischenlager für Giftmüll

Genau deshalb wurde die NES so aufgerüstet, dass sie als Zwischenlager für die gesundheitsgefährdenden Restbestände fungieren darf. Jeder Zentimeter Boden wurde umgedreht und überprüft, sämtliche Mauern und Anlagen wurden gesäubert. Die Kosten dieser Aufrüstung beziffert man in Ministeriumskreisen mit knapp 70 Millionen Euro, davon 45 reine Investitionskosten. Die Rückstellungen sind für die Jahre 2024 bis 2035 notwendig, bis 2023 fallen pro Jahr rund acht Millionen Euro für Dekontaminierung an. In Summe kostet die Altlastenbereinigung also noch an die 250 Millionen Euro. (ung, DER STANDARD, 9.5.2015)

Share if you care.