Der "kleine Zabel" fährt den Giro

8. Mai 2015, 17:54
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Der Sohn des Ex-Topsprinters und Dopingsünders Erik Zabel startet für das BMC-Team in der Italien-Radrundfahrt

San Remo/Wien - Unter vielen prominenten Namen im Starterfeld des 98. Giro d'Italia, der am Samstag in San Remo mit einem Mannschaftszeitfahren anhebt, sticht einer heraus: Zabel. Rick Zabel, der 21-jährige Sohn des ehemaligen deutschen Topsprinters Erik Zabel, der 2009 seine Karriere beendet hatte, geht für das BMC Racing Team in seine erste der drei großen Landesrundfahrten.

Dass ihm das Vertrauen schon im zweiten Profijahr und in einem Alter geschenkt wird, in dem sein Vater noch als Amateur unterwegs war, ehrt den "kleinen Zabel". "Ich bin natürlich happy, es darf nicht jeder direkt eine Grand Tour fahren."

Deren Luft hat Rick Zabel schon mehrmals geschnuppert. Als Bub war er als Gratulant für seinen Vater in Paris. Zwischen 1996 und 2001 hatte sich Erik Zabel sechsmal en suite das grüne Trikot des Punktebesten der Tour de France geholt. Insgesamt gewann der Ostberliner zwölf Tour-Etappen und acht Teilstücke der Vuelta a España. 2007 gestand Erik Zabel ein, während der Tour 1996 eine Woche lang mit Epo gedopt zu haben. Erst sechs Jahre später erweiterte der ehemalige Co-Star des Teams Telekom um Jan Ullrich sein Geständnis auf Doping mit Epo, Kortison und Eigenblut zwischen 1996 und 2003.

Der Schatten des mittlerweile 44-jährigen Vaters hat Rick Zabel bis zum aktuellen Giro begleitet. "Ich habe mit zwölf Jahren mit dem Radsport angefangen, da war ich immer 'der Sohn von'. Ich kenne es nicht anders. Dadurch, dass ich es geschafft habe, Profi zu werden, habe ich ein Stück weit meinen eigenen Namen gemacht." Natürlich nützt er Tipps des Seniors, der sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. "Mein Papa hat gesagt, dass es im Vergleich zum letzten Jahr eher ein leichter Giro ist. Aber für mich wird es schwer genug", sagt Rick Zabel, der auch ein flotter Sprinter mit Steherqualitäten ist.

Leicht ist relativ. Auf 3486 Kilometern warten sechs Bergankünfte und ein langes Einzelzeitfahren. Am 31. Mai in Mailand ankommen will wie Rick Zabel auch ein Österreicher: Routinier Bernhard Eisel (34) in der Sky-Equipe des australischen Mitfavoriten Richie Porte, der den Spanier Alberto Contador fordert. (sid, lü - 8.5. 2015)

  • Rick Zabel 1999 in Paris auf den Schultern von Vater Erik Zabel.
    foto: reuters/platiau

    Rick Zabel 1999 in Paris auf den Schultern von Vater Erik Zabel.

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