Cameron will Großbritannien noch größer machen

Analyse8. Mai 2015, 17:18
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David Cameron holte die absolute Mandatsmehrheit nach Hause, gleichzeitig zogen seine Konkurrenten die Konsequenzen und traten zurück. Der alte neue Premier denkt bereits jetzt an das EU-Referendum 2017.

Der im Amt bestätigte Premierminister David Cameron hat am Freitagnachmittag mit der Bildung seiner konservativen Alleinregierung begonnen. Offenbar soll sein engster Weggefährte, Finanzminister George Osborne, im Amt verbleiben und die Verhandlungen mit den europäischen Partnern über eine Reform der EU leiten. Die Tories würden "als Partei der einigen Nation, des Vereinigten Königreiches" regieren, versprach der 48-Jährige vor seinem Amtssitz in der Downing Street. "Gemeinsam können wir Großbritannien noch größer machen."

Zuvor waren die drei Chefs der wichtigsten Konkurrenzparteien, darunter auch Oppositionsführer Edward Miliband, unter dem Eindruck teils verheerender Niederlagen zurückgetreten.

Die gemeinsame Prognose der großen TV-Sender nach Schließung der Wahllokale sorgte am späten Donnerstagabend bei der Prominenz aller Parteien für Kopfschütteln, widersprach sie doch einer Vielzahl von Umfragen. Diese hatten ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden großen Parteien vorhergesagt. Hingegen ließ die Prognose erkennen, was sich im Lauf der Wahlnacht als korrekt herausstellte: In letzter Minute entschieden sich viele Wähler in England für die Stabilität einer konservativen Alleinregierung.

Fast alles ausgezählt

Wegen eines besonders knappen Ergebnisses wurde im Wahlkreis St. Ives im äußersten Südwesten der Grafschaft Cornwall 16 Stunden nach Schließung der Wahllokale noch immer gezählt; die Ergebnisse der anderen 649 Stimmbezirke standen am Freitagnachmittag fest. Nach Angaben der BBC brachten es die Konservativen landesweit auf 36,9 Prozent (0,8 mehr als 2005), während der bisherige liberale Koalitionspartner unter Vizepremier Nick Clegg um 15,2 Punkte auf 7,8 Prozent absackte. Labour legte leicht zu, blieb mit 30,5 Prozent aber im Ghetto der Stammwähler stecken.

Die nationalpopulistische Ukip verbuchte mit landesweit 12,6 Prozent ein hervorragendes Ergebnis, gewann wegen des Mehrheitswahlrechts aber nur ein einziges Mandat.

Weil der Europaabgeordnete und Parteichef Nigel Farage in seinem Wahlkreis in Kent durchfiel, erklärte er wie angekündigt sofort seinen Rücktritt vom Parteivorsitz - jedenfalls vorläufig. "Mir ist eine gewaltige Last von den Schultern genommen", teilte der 51-Jährige mit. Nach einem ausgiebigen Sommerurlaub will er sich womöglich zum dritten Mal als Parteichef zur Verfügung stellen.

Minuten später übernahm auch Clegg die Verantwortung für die "brutale und schmerzhafte Nacht" seiner Liberaldemokraten. Deren Fraktion ist von 57 auf acht Mitglieder zusammengeschmolzen, die Verluste kamen fast ausschließlich dem bisherigen Koalitionspartner zugute.

"Enttäuschende Nacht"

Schließlich nahm auch Miliband seinen Hut. Nach der "sehr enttäuschenden Nacht für Labour" müsse unter Leitung von Vizechefin Harriet Harman eine offene Debatte über die Zukunft der Partei geführt werden. Diese ist im früheren Stammland Schottland praktisch nicht mehr vertreten. Dort holten die Nationalisten 56 der 59 Mandate und erreichten rund die Hälfte der Stimmen, was 4,7 Prozent im gesamten Vereinigten Königreich entspricht. Labours Schattenaußenminister und Wahlkampfmanager Douglas Alexander verlor seinen Sitz in Paisley und wünschte seiner Bezwingerin, der 20-jährigen Studentin Mhairi Black alles Gute. Auch der schottische Labour-Chef Jim Murphy wandte sich in herzlichen Worten an seine SNP-Nachfolgerin, mahnte aber die Nationalisten: "Solch ein Sieg bringt große Verantwortung mit sich."

Dies gilt in noch größerem Maße für die Zentralregierung in London: Cameron hatte im Wahlkampf gegen den Einfluss der SNP auf eine mögliche Labour-Minderheitsregierung polemisiert und damit offenbar besonders in umkämpften Wahlkreisen Mittelenglands Anklang gefunden.

Wie bei der letzten Wahl machten rund zwei Drittel der gut 46 Millionen Stimmberechtigten von ihrem Wahlrecht Gebrauch; in Schottland lag die Beteiligung im Durchschnitt deutlich über 70 Prozent - ein Nachhall der Politisierung durch das Unabhängigkeitsreferendum. Mit dem Sieg für die Tories steht nun auch fest: Bis spätestens Ende 2017 werden die Briten über ihren Verbleib in der EU abstimmen. Jüngste Umfragen deuten darauf hin, dass sie aber mehrheitlich im Brüsseler Club bleiben wollen. (Sebastian Borger aus London, 9.5.2015)

  • So lächeln und winken Sieger: Der Chef der britischen Konservativen und Premierminister heißt auch in Zukunft David Cameron.
    foto: reuters/peter nicholls

    So lächeln und winken Sieger: Der Chef der britischen Konservativen und Premierminister heißt auch in Zukunft David Cameron.

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