Hündische Harmonielehre

Kolumne8. Mai 2015, 17:09
posten

Der Hund lernt vom Menschen, was dieser tut, der Mensch hingegen kann vom Hund lernen, was er besser lassen sollte

Die Vierbeiner und der Mensch: eine sehr alte Verbindung. Wenn man bedenkt, seit wie langer Zeit Hunde immer noch bereit sind, dem Menschen zu vertrauen, zweifelt man an ihrem Verstand. Aber andererseits: Sie haben viel von uns gelernt.

Insofern wundert man sich doch nicht so. Der Hund lernt vom Menschen, was dieser tut, der Mensch hingegen kann vom Hund lernen, was er besser lassen sollte.

Wenn beispielsweise der Hund beim Hundesitter geparkt ist und dieser gegen Ende der Dienstzeit in fröhlich-kindlicher Art im falschen Falsett vorflötet: "Ja wo gehen wir denn hin? Zum Frauerl gehen wir hin!" und der Hund sofort stramm an der Leine reißt, um voller Gewissheit ins nächste am Weg gelegene Gasthaus zur Bar zu stürmen, hat man letztens definitiv enorm viel, wenn nicht gar zu viel Zeit dort verbracht. Seine eigene Harmoniesucht erkennt man schnell daran, dass der Hund bei jeder Steigerung der Lautstärkedezibel innerhalb eines Gesprächs sich voller Verzweiflung am Boden wälzt und alle Anwesenden zu beschwichtigen versucht. Noch schlimmer: Schimpfworte. Obwohl diese nie bewusst beigebracht wurden: "Arschloch" und "Scheiße" sind jene wohlbekannten Begriffe, bei deren Nennung der Freundinhund sich fachmännisch zeit gerecht unterm Sofa verkriecht: Wenn die fallen, fallen bald darauf Schuhe und Taschen in Zimmerecken.

Am verräterischsten: wenn Parfümerien heiß geliebt werden. An sich ein für Hunde nicht gerade spannender Ort. Meiner jedoch sucht systematisch auf unseren ausgedehnten Stadtspaziergängen danach.

Wo der Mensch zu oft hinrennt, um Proberln abzuräumen, geht der Hund anderen Bedürfnissen nach. Dabei wird – vom Hund, nicht von mir – streng zwischen Douglas-Filialen und anderen Geschäften unterschieden. Bei Ersteren hat es verlässlich jedes Mal Hundekeks gegeben. (Julya Rabinowich, 8.5.2015)

Share if you care.