Deutsche Telekom will slowenische Telekom angeblich verdeckt kaufen

8. Mai 2015, 16:24
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Laut "Mladina" wollen die Deutschen den britischen Investmentfonds Cinven vorschieben, um den Preis zu drücken

Der britische Investmentfonds Cinven, der einzige Bieter für die staatliche slowenische Telekom, soll laut einem Bericht der Wochenzeitung "Mladina" mit der Deutschen Telekom zusammenarbeiten. Das Ziel sei, der Deutschen Telekom zu ermöglichen, den slowenischen Branchenprimus billiger als im laufenden Privatisierungsverfahren zu übernehmen.

Die beiden Unternehmen sollen dem Bericht zufolge vereinbart haben, dass der britische Investmentfonds als einziger Bieter die slowenische Telekom billig übernimmt, danach ein Rationalisierungsprogramm im Unternehmen durchführt und es nach einiger Zeit an die Deutschen verkauft.

Darüber, dass Cinven und Deutsche Telekom an einem Strang ziehen, soll die slowenische Regierung Bescheid wissen. Das wurde "Mladina" von zwei hohen Regierungsmitgliedern bestätigt. "Das war unsere Schlussfolgerung", sagte der für Privatisierungen zuständige Generalsekretär im Finanzministerium, Metod Dragonja, zu der Zeitung. Unter Berücksichtigung der "Aktivitäten beider Interessenten geht es um nichts anderes, als um ein abgestimmtes Vorgehen mit dem Zweck, den Preis der Aktie bzw. des Unternehmens möglichst stark zu drücken", so Dragonja.

Wirtschaftsminister bestätigt

Mit "Ja" beantwortete auch der Wirtschaftsminister Zdravko Pocivavsek die Frage, ob er informiert sei, dass der britische Fonds mit der Deutschen Telekom verbunden sei, so "Mladina". Der Minister bestätigte den Zeitungsbericht auch gegenüber der Nachrichtenagentur STA: "Ich bin vertraut mit der Möglichkeit, dass ein potenzieller Käufer der Telekom Verbindungen mit einem anderen potenziellen Käufer ist", sagte er. Er kündigte an, die Entscheidungszuständige darüber zu informieren.

Cinven hat laut STA den Zeitungsbericht inzwischen dementiert. "Cinven will die Telekom Slovenije kaufen, um in das Netzwerk zu investieren und langfristig eine erfolgreiche Tätigkeit zu sichern", hieß es aus dem Unternehmen. Auch die Maklerfirma Ilirika, Cinvens slowenischer Partner, wies den Bericht über einen Deal zwischen Cinven und der Deutschen Telekom zurück. Igor Stemberger von Ilirika bezeichnete die Vorwürfe der linksgerichteten Wochenzeitung, die sich klar gegen die Privatisierung ausgesprochen hat, als "absolut erwartet".

Die Deutsche Telekom galt lange Zeit als Favorit für die Übernahme der Telekom Slovenije. Überraschenderweise legte sie aber Mitte April kein verbindliches Angebot. Das einzige Offert im laufenden Privatisierungsverfahren kam von Cinven. Der angebotene Kaufpreis liegt laut Medienberichten deutlich unter den Erwartungen sowie auch unter dem aktuellen Börsenwert der Telekom Slovenije. Nach ursprünglichen Preisschätzungen, die den Wert der Telekom Slovenije mit rund eineinhalb Milliarden Euro bezifferten, soll der Preis nun bei 860 Mio. Euro liegen, so "Mladina". (APA, 8.5.2015)

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