"Numbers in Pieces": Mit Ziffern und Zahlen gegen Big Data

8. Mai 2015, 17:55
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Das Wiener Wuk zeigt die Uraufführung der Performance von Andrea Maurer und Ewa Bankowska über das Ende der Gewissheit, dass Zählen hilft

Wien - Allzu viel darf hier nicht verraten werden. Mit gutem Gewissen kann aber Folgendes gesagt werden: Die Uraufführung der Performance Numbers in Pieces der beiden Wiener Choreografinnen Andrea Maurer und Ewa Bankowska hat es in sich. Und das ist noch bis Samstag im großen Saal des Wuk zu erleben.

Warum soll man nur möglichst wenig ausplaudern? Weil der Ablauf dieses Duos, das in Wahrheit eigentlich ein Trio ist, so speziell von Überraschungen lebt. Jedwede Beschreibung wäre also ein echter Verrat am Publikum. Deshalb kann Spoiler-Entwarnung gegeben werden, und wir beschränken uns auf einige hintergründige Informationen.

Sounds aus dem Off

Die dritte Performer-Figur agiert im Verborgenen, und sie hat einen Namen: Frans Poelstra. Sie infiziert das Stück aus dem Off mit einigen raffinierten Sounds.

Das Publikum nimmt Platz und blickt auf einen geschlossenen Vorhang. Was folgt, ist verwinkelt - zum Glück, denn aus diesen Winkeln winkt der Reichtum der Wirklichkeit zwischen dem Alltag - und der diesen Alltag entblößenden Performance. In Numbers in Pieces geht es um fast alles. Denn da wird das, was sich - im Alltag wie im Theater - als messbare Wirklichkeit darstellt, ebenso auf- wie angezählt.

Aus Ziffern und Zahlen entsteht eine Erzählung über das Absurde am Willen zur unbedingten Rechnung und über einiges, das sich der Quantifizierungsgeilheit der Gegenwart entzieht. Damit treten Maurer und Bankowska gegen Big Data an. Sie eröffnen, wie sehr alles Messbare ein unermessliches Dahinter hat, das immer, wenn es in Erscheinung tritt, einen Skandal verursacht: Sobald Messstäbe und Maßstäbe zusammen vor den Vorhang treten, wird es mehr als kompliziert.

Umwerfender Humor

Verraten werden kann weiters, dass das Stück Numbers in Pieces einen gerade durch seine Feinheit umwerfenden Humor ausspielt. Außerdem sei erwähnt, dass Andrea Maurer und Ewa Bankowska während ihres Auftritts ein sagenhaft subtiles Charisma antanzen lassen und dabei nicht immer friedlich bleiben.

Mit bestechenden Spitzen behaupten sie, dass die Grenzen des Zählbaren keineswegs die Schranken der Aufklärung sein müssen. Und es wird dargestellt, wie manische Bezifferung eine aristotelische Ausdehnung provoziert.

Deren poetische Magie lässt in Numbers in Pieces den platonischen Kugelmenschen sichtbar werden. Fazit: Dieses Stück ist eine kryptografische Performance ersten Ranges. (Helmut Ploebst, 8.5.2015)

Samstag, 9.5., im Wuk, Währinger Straße 59, 1090 Wien, Beginn 20.00

  • Andrea Maurer und Ewa Bankowska beschreiben in ihrer Performance "Numbers in Pieces" die Grenzen des Zählbaren mit umwerfendem Humor.
    foto: andrea maurer

    Andrea Maurer und Ewa Bankowska beschreiben in ihrer Performance "Numbers in Pieces" die Grenzen des Zählbaren mit umwerfendem Humor.

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