Die große Gender-Gefahr

9. Mai 2015, 07:03
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Die Predigerstelle der "Krone" blieb eine Zeitlang unbesetzt. Jetzt wütet Dr. Tassilo Wallentin als Chefideologe der Herausgeberfamilie

Seit Hans Dichand, nur ein Journalist, zur schweigenden Mehrheit ehemaliger „Krone“-Leser heimgegangen ist, ist die Rolle des Predigers in Sachen rechter Moral im Blatt nicht mehr vollwertig besetzt. Frank Stronach, alles nur kein Journalist, kam in dieser Rolle fast an ihn heran, an intellektueller Brillanz hat er ihn nach Meinung einiger sogar übertroffen, und auch an Offenheit. Sein Satz, wer das Gold hat, macht die Regeln, enthielt genau die Wahrheit, die Dichand ein Leben lang zu verschleiern suchte. Seit Stronach sie in der Politik umsetzen möchte, muss er freilich feststellen, dass er besser bei seinem Leisten als Prediger in der „Krone“ geblieben wäre, da musste er sich nie über einen Leserbrief so ärgern wie über die in seinem Gold hängenden Existenzen, deren Haltung an jene zugelaufener und geduldeter Haustiere erinnert. „Wenn die Leute nicht passen, dann muss man sie weggeben“, zitierte ihn „Österreich“ nach seinem letzten Fernsehauftritt.

Die Predigerstelle in der „Krone“ blieb dann, sieht man vom Kardinal in dekorativer Funktion ab, eine Zeitlang unbesetzt, es ist schließlich nicht leicht, etwas zur Blattlinie Passendes zu finden. Doch sucht man nur lange genug am rechten Rand, am besten im geistigen Umfeld von „Zur Zeit“, stellt sich irgendwann Erfolg ein. Und so darf dort seit geraumer Zeit ein Rechtsanwalt Dr. Tassilo Wallentin als Chefideologe der Herausgeberfamilie seines Amtes wüten. Nebenbei lässt er sich auch als Bestseller-Autor preisen.

Nachdem er schon den Gender-Wahnsinn tapfer bekämpft hatte, wandte er sich zuletzt dem „Heinisch-HoSex-Plan“ zu, schon mit diesem Titel beweisend, dass es ihm an Esprit nicht mangelt. Frau Minister Heinisch-Hosek will per Erlass alle Schüler ab Schuleintritt und während der gesamten Schulzeit hindurch vom Staat „sexuell erziehen“ lassen, enthüllte er deren teuflische Pläne. Die massive „Zwangs-Sexualisierung“ aller Kinder und Jugendlichen soll unter Ausschaltung der Rechte der Eltern und durch Nichtfachleute erfolgen. Und nicht nur das, sondern auch auf Basis der wissenschaftlich und gesellschaftlich höchst umstrittenen Gender-Ideologie. Im Bunde bei dieser Ruchlosigkeit steht die Ministerin mit der Weltgesundheitsor ganisation, bezieht sich ihr Erlass doch auf die – höchst umstrittenen – Sexualerziehungs-Standards der WHO.

Dass es einem gestandenen Freiheitlichen dabei kalten Angstschweiß aus der Feder treibt, ist verständlich. Gemeinsame Erkundungsübungen unter Anleitung von Pädagogen sind zu befürchten. Das Thema „Erotische Selbstaufnahmen“ mit dem Handy soll in das Fach Medienerziehung fallen. Schlimmer noch: Mann und Frau als gesellschaftliches Leitbild soll es nicht mehr geben. Die Erziehungsrechte der Eltern werden hier außer Kraft gesetzt. Das ist Gender-Ideologie.

Etwas gelassener interpretierte der Pädagoge und Psychologe Josef C. Aigner in den „Salzburger Nachrichten“ den Erlass. Er hält die aktuelle Aufregung um die Sexualerziehung für „völlig unnötig“. Sexualunterricht finde an den Schulen ohnehin kaum statt. Aigner hält die Kritik am aktuellen Entwurf teils für „sehr polemisch“. Bei den Themen „Pornografie und Sexting“ (Verschicken erotischer Fotos) etwa bedürfe es angesichts der Überschwemmung „mit sexuellen Blödheiten“ in den Medien dringend kritischer Reflexion. Das habe aber mit „Pornoschauen
in der Schule“, wie das manche Kritiker befürchten, nichts zu tun.

Aber Wallentin hat leicht reden, schließlich kommen „sexuelle Blödheiten“ in einem Medium wie der „Krone“ nicht vor. Wenn Donnerstag die Nackte vom Dienst auch dem jugendlichen Leser aus der Seite 9 entgegenblickte, war das nicht blöder begründet als so: So schüchtern wie Olga auf Fotos wirkt, ist das schöne Model gar nicht. „Ich bin eben, wie ich bin!“
Das ist gut so, denn ihre unschuldige Art kommt bei Männern gut an.

Auch Gerti Sengers Aufklärungsbemühungen können vor dem noch so strengen Auge ei nes freiheitlichen Sittenwächters ohne weiteres bestehen. Der neue Mann ist sporno, tröstete sie ihren Kollegen Wallentin in derselben Ausgabe ein paar Seiten weiter hinten. Auch Männer unterliegen Moden, und er ist das beste Beispiel dafür. Seit etwa fünfzig Jahren hecheln sie den unterschiedlichsten Rollen hinterher – Dichand, Stronach, Wallentin, wo soll das noch enden? Der mythische Held von gestern kommt jetzt als Sporno sexueller daher und will zum Begehren und Beschützen einladen. Ihn sollte die Ministerin preisen. (Günter Traxler, 9.5.2015)

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