Thrombektomie: Neuer Standard bei schwerem Schlaganfall

8. Mai 2015, 13:49
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Neue Studien belegen den Erfolg der Stent-Methode

Berlin - Etwa jeder Dritte, der einen Schlaganfall erleidet, bleibt dauerhaft durch Lähmungen oder Sprachprobleme behindert. Mitte April wurden auf dem europäischen Schlaganfall-Kongress in Glasgow neue Studien zur Entfernung von Blutgerinnseln mit Hilfe von Stent-Retrievern vorgestellt.

Die Experten der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) sind sich einig, dass dies bei großen Thromben die neue Standardtherapie ist. Von der mechanischen Entfernung großer Blutgerinnsel könnten in all jene mit einem schweren Schlaganfall profitieren, denen man allein mit der medikamentösen Therapie nicht ausreichend helfen könnte.

Blutgerinnsel auflösen

Wenn große Blutgefäße im Gehirn durch Gerinnsel blockiert sind, kann man sie häufig nicht mit Medikamenten auflösen. Die sogenannte Thrombolyse kommt hier an ihre Grenzen. "Die aktuellen Studien zeigen, dass in diesen Fällen der Eingriff mit einem Stent-Retriever die richtige Therapie ist. Bei allen Studien wurden solche modernen Mikrokatheter verwendet. Die Auswahl der Patienten wurde verbessert und die Behandlungszeit verkürzt", sagt Matthias Endres, Direktor der Klinik für Neurologie an der Berliner Charité.

Denn auch bei der sogenannten Katheterintervention sei der Faktor Zeit von Bedeutung, so der Berliner Schlaganfallexperte. Die Aussicht für Patienten, einen Schlaganfall ohne bleibende Schäden zu überstehen, ist mit der interventionellen Therapie mit Stent-Retriever sehr gut. Dies zeigten bereits Anfang des Jahres die Ergebnisse von drei Studien, die auf der International Stroke Conference in Nashville, USA, vorgestellt wurden.

In den drei Studien (EXTEND-IA, ESCAPE und SWIFT-PRIME) erhielten die Patienten die medikamentöse Standardtherapie, eine Thrombolyse. Bei der Hälfte der Patienten kam zusätzlich der Stent-Retriever zum Einsatz. "In allen drei Studien wurden große Erfolge erzielt", sagt Endres. "Die Chance der Patienten auf ein günstiges Behandlungsergebnis wurde um 20 bis 30 Prozent gesteigert."

Wenige Komplikationen

Komplikationen gab es im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie nur sehr wenige. Die Methode ist sicher und gut verträglich, so Endres. Aufgrund der überzeugenden Datenlage ist die Therapie mit S tent-Retrievern bereits in die neuen europäischen Leitlinien zur Schlaganfalltherapie eingegangen.

Für welche Patienten die Therapie infrage kommt, entscheidet sich in der Stroke Unit anhand einer CT-Angiographie, einer Methode zur Darstellung der Gefäße, die sofort nach Eintreffen des Patienten in jeder Klink mit Stroke Unit erfolgen kann. Neben dem direkten Nachweis des Verschlusses eines großen Hirngefäßes mittels der CT-Angiographie ist auch eine schwere Ausfallsymptomatik mit Sprachverlust oder schweren Lähmungen ein Hinweis darauf, dass die neue Behandlung für den Patienten infrage kommen könnte.

Nun sei es laut den Experten wichtig, bestehenden Versorgungsstrukturen der akuten Schlaganfallbehandlung zu verbessern, um möglichst vielen Patienten, für die die mechanische Rekanalisation infrage kommt, die Behandlung zu ermöglichen. (red, derStandard.at, 8.5.2015)

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