Wie Frauennetzwerke nützen

9. Mai 2015, 14:00
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Das Beratungsunternehmen EY lud zu einer Diskussion über die Vor- und Nachteile von Frauennetzwerken. Ohne Quoten werde es aber nicht gehen

"Wir Frauen müssen uns lieben, um zusammenzuarbeiten", stellt Gertrude Schatzdorfer, geschäftsführende Gesellschafterin der Schatzdorfer Gerätebau, gleich eingangs fest. Ein rein weiblich besetztes Podium diskutierte unter der Moderation von Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin des STANDARD, vor einem rein weiblichen Publikum die Frage "Frauennetzwerke – Chance oder Falle?". Passend zum Thema hatte das Beratungsunternehmen EY Austria vor das Haifischbecken im Wiener Haus des Meeres geladen.

"Als Chance, nicht aber als Patentrezept", sieht Regina Prehofer, Vizerektorin für Infrastruktur der WU Wien, Frauennetzwerke. Sie selbst hat im Bankwesen eine Paradekarriere hingelegt, "dabei waren für mich Kundennetzwerke, die meist männlich dominiert waren, wichtiger", sagt sie. Schatzdorfer, gelernte Kindergärtnerin, die erst später zur Geschäftsführerin des im Maschinenbau tätigen Familienunternehmens wurde, ist seit 1999 in einem Frauennetzwerk. Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies Austria, bewegt sich kaum in formalen Netzwerken. Elfriede Baumann, Partnerin bei EY, sieht in Frauennetzwerken jedenfalls eine Chance.

Mehr Frauen im Management

"Nur 5,9 Prozent Frauen in der Geschäftsführung bei den Top-200-Unternehmen, 16 Prozent in den Aufsichtsräten weist der aktuelle Frauen-Management-Report der AK aus", leitet Föderl-Schmid die Frage nach der Quote ein: "Bei Infineon gibt es keine Quote, sondern eine Zielsetzung. Bis 2020 soll es auf Konzernebene 20 Prozent Frauen im Management geben, in Österreich 15", erklärt Herlitschka und ergänzt: "In Österreich gibt es mit den Unis ein überzeugendes Beispiel für die Quote. Kaum war sie da, hat man sie gefunden, die Professorinnen, die davor nicht aufzuspüren waren"

Auch Prehofer glaubt, dass es ohne Quote nicht geht. "Sonst erleben wir das nicht mehr." Das gelte aber nicht für Klein- und Mittelbetriebe. Schatzdorfer, selbst Chefin eines KMUs sagt: "Ich war einmal gegen die Quote, aber je älter ich werde, desto mehr bin ich dafür." Bereits 24 Prozent Frauen seien bei ihr im Betrieb tätig, bei der Lehrlingsausbildung achte man sehr auf weiblichen Nachwuchs. Baumann ist zumindest vorübergehend für eine verpflichtende Quote.

Niemand solle zögern, seine Kontakte zu nutzen, empfiehlt Prehofer. Männer seien da oft weniger zaghaft als Frauen. Zum Thema der "Quotenfrau" sagt Herlitschka: "Die beste Person wurde gesucht – und ich gefunden. Mein Anspruch war auch immer: Ich will bei wesentlichen Entscheidungen dabei sein. Wenn jemand sagt, das ist eine Quotenfrau, ist mir das jetzt echt wurscht."

Eine Umfrage unter den Teilnehmerinnen ergab, dass 80 Prozent externe Frauennetzwerke für eine Chance halten, nur 45 Prozent der Befragten sind aber tatsächlich schon bei einem solchen. 15 Prozent haben bereits ein Frauennetzwerk innerhalb des Unternehmens. (DER STANDARD, 9./10.05.2015)


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  • STANDARD-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid diskutierte mit (von rechts) Elfriede Baumann, (EY Österreich), Regina Prehofer (WU Wien), Gertrude Schatzdorfer (Schatzdorfer Gerätebau) und Sabine Herlitschka (Infineon Technologies Austria)
    foto: nadine studeny

    STANDARD-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid diskutierte mit (von rechts) Elfriede Baumann, (EY Österreich), Regina Prehofer (WU Wien), Gertrude Schatzdorfer (Schatzdorfer Gerätebau) und Sabine Herlitschka (Infineon Technologies Austria)

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