Blauwale des Südens per Satellitensender überwacht

8. Mai 2015, 12:28
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Forscher und Umweltschützer besendern die Meeresriesen für bessere Schutzmaßnahmen

Bei der größten Tierart der Erde scheint sich allmählich eine gewisse Stabilisierung der Bestände einzustellen. Heute existieren geschätzte 10.000 bis 25.000 Blauwale, allerdings nur rund 1.400 davon sind auf der Südhalbkugel zuhause. Um die größte Blauwal-Population der südlichen Hemisphäre besser schützen zu können, hat die chilenische Regierung im Vorjahr vor der Küste des Landes ein 70.000 Hektar großes Schutzgebiet eingerichtet.

Sieben dieser Tiere wurden nun von Mitarbeitern der Umweltschutzorganisation WWF und Biologen mit einem Satellitensender ausgestattet, um ihre Wanderrouten auszuspähen. Die Maßnahme soll unter anderem bei der Beurteilung helfen, welche menschlichen Aktivitäten zu welchen Jahreszeiten in der geschaffenen Schutzzone erlaubt sein sollen und welche nicht.

Es ist erst das dritte Mal, dass Blauwale aus dem stark dezimierten Bestand der südlichen Hemisphäre mit Sendern versehen wurden. Beim Besendern der bis zu 25 Meter langen Wale sind Vorsicht und Maßarbeit gefragt, denn man muss den riesigen Tieren mit dem Schlauchboot kurzzeitig nahekommen. Nur wenn der Sender im oberen Rücken angebracht ist und beim Luftholen regelmäßig aus dem Wasser auftaucht, wird ein Signal via Satellit übertragen. Die angebrachten Sender können über mehrere Wochen Informationen liefern, bevor sie schließlich von selbst abfallen.

Die Satellitendaten geben Auskunft über Aufenthaltsorte und Migrationsrouten der Wale. Dies sind notwendige Informationen, um ein Netz von Meeresschutzgebieten zu errichten und eine bereits beschlossene Schutzzone so zu gestalten, dass Wale und ihre Lebensräume vor der chilenischen Küste tatsächlich vor schädlichen Auswirkungen durch Fischerei, Aquakultur oder Schifffahrt geschützt werden.

Konflikt mit der Lachsindustrie

Ein erstes überraschendes Ergebnis ist, dass sich die Blauwale bis in den chilenischen Herbst hinein im Golf von Corcovado aufhalten, manchmal nur wenige hundert Meter von der Küste entfernt. Das zeigt den Konflikt, da der Golf mit Lachsfarmen regelrecht gepflastert ist. Ebenso spannend ist, dass zwei besenderte Wale über tausend Kilometer weit in den offenen Pazifik geschwommen sind. Man weiß bis heute nicht, wo sie sich sammeln und vielleicht Nachwuchs zur Welt bringen. Möglicherweise geschieht das an den Ozeanrücken Salas y Gomez & Nazca. Dort wurden schon nach der letzten Besenderung Wale beobachtet.

Blauwale wurden bis 1967 intensiv bejagt, so dass ihre Bestände stark dezimiert wurden. Zu den aktuellen Bedrohungen zählen eine erhöhte Gefahr für Kollisionen mit Schiffen , Lärmbelästigung durch zunehmenden Schiffsverkehr, Pipelinebau und seismische Untersuchungen sowie allgemeine Meeresverschmutzung. Vor Chiles Küsten hat die von Lachsfarmen ausgehende Verunreinigung bzw. Überdüngung der Gewässer negative Auswirkungen auf den Lebensraum der Blauwale. Chile liefert als zweitgrößter Lachsproduzent der Welt etwa 30 Prozent des weltweit verzehrten Aquakultur-Lachses. (red, derStandard.at, 8.5.2015)

  • Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit für diesen Glücksfall? Seit über 600 Millionen Jahren gibt es Tiere - und das größte von ihnen, das jemals gelebt hat, können wir just in unserem kleinen Zeitfenster bestaunen.
    foto: reuters/joshua barton

    Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit für diesen Glücksfall? Seit über 600 Millionen Jahren gibt es Tiere - und das größte von ihnen, das jemals gelebt hat, können wir just in unserem kleinen Zeitfenster bestaunen.

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