Ein gemütlicher, homogener Mikrokosmos

11. Mai 2015, 05:30
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Einrichtungsexpertin Astrid Zuwa wohnt mit ihrem Lebensgefährten in einem selbst geplanten Niedrigenergiehaus in Wien-Dornbach

Astrid Zuwa handelt mit einigen der spannendsten Designmarken. In ihrem Haus in Wien-Dornbach geht es ihr vor allem um die Beziehung zwischen den Objekten, wie Michael Hausenblas erfuhr.

"Ich wohne seit neun Jahren im 17. Wiener Bezirk, in einer sehr dörflich wirkenden Ecke. Die fast ländliche Atmosphäre hat mir seinerzeit den Entschluss leichter gemacht, von Mödling wegzuziehen, und mit meinem Lebensgefährten Markus Fabian hier ein Niedrigenergiehaus zu bauen. Er war es, der das Gebäude gemeinsam mit einem befreundeten Architekten geplant hat, obwohl er eigentlich in der Modebranche tätig ist. Beim Grundriss hab ich mich dann stärker eingebracht. Das ist eher meine Baustelle.

foto: lisi specht
Einrichtungsauskennerin Astrid Zuwa in ihrem Wiener Zuhause, das für sie nicht wie ein Showroom aussehen darf. Einen solchen hat sie im ersten Bezirk Wiens. (Bildansicht durch Klick vergrößern)

Die Wohnfläche beträgt circa 220 Quadratmeter, der Garten misst gut 300 Quadratmeter, und dann gibt es auch noch eine Dachterrasse mit gut 30 Quadratmetern. Gebaut wurde in den Hang hinein, der Wohnraum verteilt sich auf drei Ebenen. Das Haus hat ein Giebeldach und fügt sich ganz unprätentiös in die Landschaft ein. Ich würde das Ganze als sehr gemütlichen, homogenen Mikrokosmos bezeichnen. Die Gegend ist sehr grün, wir haben unsere Laufstrecke vor der Haustüre und einen sehr guten Heurigen gibt's auch. Ein Stück Mödling in Wien, könnte man sagen.

Doch, ich bin schon ein Landmensch. Es reicht mir, das Geschäft im ersten Bezirk zu haben. Das ist Stadt genug. Museen, das Theater, Konzerte und Oper, all das ist wunderbar, aber im Zweifelsfalle liegt mir das Zwitschern der Vögel mehr am Herzen.

Was das Innere unseres Zuhauses betrifft, haben wir versucht, die Natur, so gut es geht, ins Haus zu holen. Der großzügige Wohn-Küchen-Bereich liegt im Untergeschoß und hat eine schöne Glasfront, die in den Garten hinausgeht. Einen Stock höher gibt es ein sogenanntes Fernsehzimmer, weil wir ganz bewusst im Wohn- und Schlafzimmer keinen Fernseher haben möchten. Weiters sind hier der Schlafraum sowie ein Badezimmer untergebracht. Diese Räume führen auch alle auf die Terrasse. Das Obergeschoß mit zwei Zimmern und Bad haben die Kinder von Markus bewohnt, wenn sie bei uns waren. Jetzt sind die beiden in einem Alter, in dem sie nicht mehr so oft bei uns nächtigen. Deshalb werden wir diese Räume in einen Gästebereich umwandeln. Vielleicht kommt auch eine Sauna dorthin.

Mir ist wichtig, dass wir wirklich jeden Raum tatsächlich bewohnen und keine Fläche ungenutzt bleibt. Ich denke, man sollte Räume immer auch mittel- bis langfristig denken, denn Umstände verändern sich.

Wohnen sollte ein Spiegelbild der Persönlichkeit sein. Wie sich meine widerspiegelt? Ich komme aus einem Bereich, in dem ich mit vielen Designklassikern arbeite, die mein Wohnen natürlich prägen. Man könnte sagen, unser Zuhause ist eine Art Collage. Da sind zum Beispiel meine Gartenmöbel von Richard Schultz. Die sind über 20 Jahre alt und ich freu mich jeden Tag, wenn ich sie sehe. Mein Lebensgefährte hat mit 19 Jahren einen Couchtisch aus den 1920er-Jahren im Dorotheum ersteigert. Auch der fügt sich wunderbar ein und trägt das Seine zur Authentizität unseres Wohnens bei.

Wohnen wird dann authentisch, wenn persönliche Dinge aus dem Leben mit einfließen, egal ob das ein Möbel oder eine alte Comicfigur vom Flohmarkt ist. Es sind immer die einzelnen Teile, die ein Bild rund machen. Nicht die Möbel an sich sollen den Raum prägen, sondern die Beziehung, in der sie zueinander stehen. Eine Wohnung sollte auch nicht wie ein Showroom aussehen.

Eine Definition fürs Wohnen zu finden ist schwer, weil die Ansprüche sehr verschieden sind. 'So soll Wohnen sein', das gibt's nicht. Es geht darum, einen eigenen Weg zu finden. Darum fragen wir bei Beratungsgesprächen auch als Erstes, was ein Raum denn können soll." (DER STANDARD, 11.5.2015)

Astrid Zuwa wurde 1966 in Mödling geboren. Nach kaufmännischer Schulausbildung und Sprachstudium in New York startete sie 1983 ihre berufliche Laufbahn als Assistentin der Geschäftsführung beim Einrichtungsunternehmen Knoll International. Nach weiteren Stationen bei internationalen Unternehmen im In- und Ausland erwarb sie 2003 gemeinsam mit ihrer besten Freundin Jasmin Hörzer das Einrichtungsunternehmen Designfunktion GmbH (ehem. Knoll International) am Bauernmarkt 12 in der Wiener Innenstadt.

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designfunktion.at

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