Was die Messung der Wirkung bringt

11. Mai 2015, 08:42
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Ist der Wirkungswettkampf unter Nonprofitorganisationen und Social Businesses ausgerufen? Warum das Messen von Wirkung dennoch sinnvoll ist

Heute dreht sich alles um Wirkungen. Was bewirken die vielfältigen Leistungen von Nonprofitunternehmen (NPOs) und Social Businesses tatsächlich in der Gesellschaft - und was bedeutet dieser Trend? Zum einen erfolgt die Vergabe öffentlicher Gelder zunehmend unter einer geforderten Wirkungsorientierung. NPOs, als ausführende Dienstleister in der Bereitstellung (halb)öffentlicher Güter, müssen daher zunehmend ihre Wirksamkeit nachweisen. Zum anderen interessieren sich auch private Financiers wie Stiftungen und philanthropische Investoren vermehrt dafür, was ihre Gelder bewirken.

Dazu ist es ebenfalls notwendig, die Wirkungen der geförderten Maßnahmen zu kennen. Bei aller Wirkungsorientierung ist den handelnden Akteuren oft unklar, wie konkret Leistungs- von Wirkungsdaten zu unterscheiden sind. Dies führt häufig zu fehlgeleiteten Versuchen, Leistungskennzahlen nunmehr als Wirkungskennzahlen auszugeben.

Wirkungswettkampf

Aufseiten der NPOs und Social Businesses geht mit der geforderten Wirkungsorientierung oft das Gefühl der Kontrolle und Rechenschaftsverpflichtung einher. Werden in Zukunft nur mehr jene Organisationen mit den höchsten Wirkungen bestehen? Ist der Wirkungswettkampf ausgerufen? Und wer kümmert sich dann um die schwierigen "Fälle" wie zum Beispiel um Menschen, die einer besonders umfassenden Hilfe bedürfen, wenn mit gleichen Ressourcen woanders mehreren Menschen geholfen werden kann?

Mit solchen Fragen geht häufig eine Grundsatzdebatte in zwei Richtungen einher: Erstens wird diskutiert, inwieweit unterschiedliche Wirkungen verglichen werden können. Ist etwa eine bessere Integration eines Menschen mit Behinderung mehr wert als die Gesundheit eines Drogenabhängigen? Zweitens stellt sich die Frage, ob das Vertrauen in die Arbeit von NPOs und sozialen Organisationen endgültig durch wachsenden Kontrolldruck abgelöst wird.

Wirkungsorientierung

Diese Fragen werden zu Recht gestellt, die Diskussion wird jedoch zu Unrecht auf dem Rücken der Wirkungsorientierung ausgetragen. Zweifelsohne leben wir in Zeiten knapper Mittel, in denen Ressourcen auf Basis gewisser Kriterien verteilt werden. Genau dabei kann das Messen von Wirkungen hilfreich sein. NPOs und Social Businesses wollen schließlich eine Mission erfüllen, die grundlegend darin besteht, etwas Positives in der Gesellschaft beizutragen.

Selten besteht die Mission darin, Leistungsstunden mit möglichst wenig finanziellem Einsatz zu erbringen. Oft haben wir in der Vergangenheit gehört, dass geforderte Vermittlungsquoten und andere Leistungskennzahlen wie ein Damoklesschwert über den Organisationen schweben. Doch was sagt die Anzahl beratener oder vermittelter Personen wirklich aus?

Klar ist, dass kaum ein kausaler Schluss rein von der Anzahl an involvierten Personen auf die entfaltenden Wirkungen gezogen werden kann. Eine entsprechende Wirkungsanalyse kann aufzeigen, dass neben der reinen Vermittlung wesentliche, zusätzliche Effekte wie eine verbesserte Gesundheit bei den Betroffenen oder eine Entlastung der Angehörigen eintreten.

Chancen zum Lernen

Durch Wirkungsbetrachtungen können somit die positiven und auch negativen Effekte, die NPOs und Social Businesses bei ihren unterschiedlichen Stakeholdern erzielen, wesentlich besser aufgezeigt werden, als dies bei Leistungsmessungen oder gar Kostenbetrachtungen der Fall sein kann. Wirkungsorientiertes Denken, Messen und womöglich Steuern trifft somit den Kern der Aktivitäten der NPOs und Social Bussinesses besser und kann als neue Aufgabe des Managements gesehen werden. Dadurch ergeben sich auch Chancen zu organisationalem Lernen und strategischer Weiterentwicklung im Sinne der Kernaufgaben der Organisation.

Die aktuelle Diskussion rund um Wirkung und Social Impact bringt also nicht nur hippere Begriffe mit sich, sondern leitet auch ein wesentliches Umdenken ein. Gute Wirkungsanalysen lassen NPOs und soziale Organisationen nicht länger als Kostenverursacher dastehen, die sich auch sinnvoll für die Betroffenen einsetzen. Es wird gezeigt, dass es um Organisationen geht, in die es sich lohnt zu investieren, da sie in hochrelevanten Themenbereichen agieren und einen wichtigen gesamtgesellschaftlichen Nutzen stiften.

Nehmen wir diese Chance also wahr und gehen wir weiterhin den Weg von einer Leistungs- hin zu einer Wirkungsgesellschaft. (DER STANDARD, 9./10.5.2015)

  • Olivia Rauscher ist Bereichsleiterin Wirkungsanalyse, Senior Researcher am Kompetenzzentrum für Nonprofitorganisationen und Social Entrepreneurship der WU Wien. Jurorin der Ideen gegen Armut.
    foto: ho

    Olivia Rauscher ist Bereichsleiterin Wirkungsanalyse, Senior Researcher am Kompetenzzentrum für Nonprofitorganisationen und Social Entrepreneurship der WU Wien. Jurorin der Ideen gegen Armut.

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