Erhöhte Nitratwerte in vielen Hausbrunnen

8. Mai 2015, 11:46
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Ein Test der Arbeiterkammer Oberösterreich hat gezeigt, dass die Nitrat-Belastung oft zu hoch ist - vor allem für Kleinkinder kann das gefährlich werden

Rund 260.000 Oberösterreicher beziehen ihr Trinkwasser aus dem hauseigenen Brunnen und nicht aus der öffentlichen Wasserversorgung. Sie laufen Gefahr, zu hohe Mengen an gesundheitsschädlichem Nitrat zu konsumieren. Ein Test des AK-Konsumentenschutzes hat gezeigt: In vielen Regionen liegen die Werte über den Höchstgrenzen.

Risiko oft unbekannt

Haushalte, die an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen sind, brauchen sich um die Qualität ihres Trinkwassers nicht zu sorgen: Die Werte müssen vom jeweiligen Wasserversorger regelmäßig kontrolliert und die Ergebnisse den Abnehmern mitgeteilt werden.

Hausbrunnenbesitzerinnen hingegen wissen zu wenig oder gar nichts über den Zustand ihres Trinkwassers und das kann mitunter gefährlich sein, wie der Test ergab. 325 Haushalte aus den als Nitrat-Problemzonen bekannten Gegenden Machland, Eferdinger Becken und Traun-Enns-Platte haben ihr Wasser bei der AK Oberösterreich testen lassen.

Die Ergebnisse sind alarmierend: Bei 37 der überprüften Hausbrunnen wurde der laut Trinkwasserverordnung zulässige Nitrathöchstwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten. Das entspricht 11,4 Prozent der Proben. Die hohen Nitratwerte sind vor allem auf Überdüngung in der Landwirtschaft zurückzuführen, punktuell sind die Ursachen aber auch undichte Senkgruben und Kanäle.

Gefahr für Säuglinge und Kinder

Die Gefahr erhöhter Nitratwerte liegt darin, dass im Körper das Nitrat in Nitrit umgewandelt wird. Bei hoher Konzentration kann dies - vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern - zu Sauerstoffmangel im Blut (Blausucht) führen. Auch krebserregende Wirkungen von Nitrit im Körper sind nicht ausgeschlossen.

Laut Weltgesundheitsorganisation sollte der Nitratwert etwa bei der Zubereitung von Babynahrung nicht über 10 Milligramm pro Liter liegen. Teure Wasseraufbereitungsanlagen - die von manchen geschäftstüchtigen Verkäufern bei sogenannten Haustürgeschäften empfohlen werden - sind nicht sinnvoll. Die Geräte sind oft teuer, weisen einen zu hohen Wasserverbrauch auf und verursachen im laufenden Betrieb hohe Kosten.

Regelmäßige Untersuchungen gefordert

Bei Hausbrunnen mit schlechten Wasserwerten ist es oft günstiger, Tafel- oder Mineralwasser (sofern für Säuglinge geeignet) zu verwenden, wenn kein Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung möglich ist. Die Konsumentenschützer warnen darüber hinaus: Das Abkochen des Wassers ändert nichts an zu hohen Nitratwerten!

AK-Präsident Johann Kalliauer fordert vom Land Oberösterreich, Verantwortung zu übernehmen für jene Haushalte, denen die öffentliche Wasserversorgung verwehrt bleibt: "Wir erwarten uns, dass das Land die Kosten für regelmäßige Trinkwasseruntersuchungen bei allen Haushalten mit Hausbrunnen übernimmt. Bei landwirtschaftlichen Betrieben ist dies schließlich auch der Fall." (red, derStandard.at, 8.5.2015)

  • Nicht nur der AK-Test, auch diese AQA-Untersuchung vom Februar 2015 weist für viele Gemeinden eine hohe Nitratbelastung in Hausbrunnen aus.
    foto: apa/aqa gmbh

    Nicht nur der AK-Test, auch diese AQA-Untersuchung vom Februar 2015 weist für viele Gemeinden eine hohe Nitratbelastung in Hausbrunnen aus.

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