Zwei Botschafter bei Absturz eines Militärhubschraubers in Pakistan getötet

8. Mai 2015, 15:25
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Helikopter stürzte auf Schule - Vertreter Norwegens und der Philippinen unter den sechs Toten - Taliban-Gruppe bekannte sich

Islamabad - Beim Absturz eines Militärhubschraubers im Norden Pakistans sind am Freitag mindestens sechs Menschen getötet worden, darunter die Botschafter von Norwegen und den Philippinen. Die radikalislamische Taliban-Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) erklärte, sie habe den Helikopter mit mehreren ausländischen Diplomaten an Bord in der Region Gilgit-Baltistan abgeschossen.

Das eigentliche Ziel des Anschlags sei der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif gewesen. Eine offizielle Bestätigung für einen Abschuss gab es zunächst nicht: Das Verteidigungsministerium gab technische Probleme im Heckrotor als Absturzursache an.

Bei dem Absturz wurden nach Angaben der pakistanischen Armee außer den Botschaftern von Norwegen und den Philippinen auch die Ehefrauen der Botschafter Malaysias und Indonesiens sowie die beiden Piloten getötet. Unter den Verletzten seien die Botschafter Polens, der Niederlande, Rumäniens, Südafrikas, Malaysias und Indonesiens.

Der Hubschrauber sei in der nördlichen Region Gilgit-Baltistan von TTP-Kämpfern "mit einer Flugabwehrrakete" abgeschossen worden, erklärte Taliban-Sprecher Mohammed Khorazani. Ihm zufolge galt der Anschlag eigentlich Pakistans Premierminister Nawaz Sharif. Dieser habe aber überlebt, weil er in einem anderen Helikopter unterwegs gewesen sei.

Premierminister Sharif befand sich nach Angaben seines Büros zu dem Zeitpunkt tatsächlich auf dem Weg nach Gilgit-Baltistan. Nach Angaben aus Behördenkreisen wollte er einen neuen Sessellift in einem Skigebiet im Naltar-Tal einweihen. Sein Flugzeug kehrte jedoch in die Hauptstadt Islamabad zurück, nachdem der Absturz des Helikopters bekannt wurde. Dort soll er bereits wieder sicher gelandet sein.

Bekenntnis nicht bestätigt

Das Bekenntnis der Taliban wurde von offizieller Seite zunächst nicht bestätigt. Verteidigungsminister Khawaja Asif sagte unter Berufung auf erste Untersuchungsergebnisse: "Es war ein technischer Defekt." Die Absturzursache werde untersucht, hieß es aus dem Außenministerium. Armeesprecher Asim Bajwa sagte, drei Hubschrauber vom Typ MI 17 mit Diplomaten seien auf dem Weg ins Naltar-Tal gewesen. "Zwei Helikopter landeten sicher, aber der dritte stürzte ab und fing Feuer."

Unter wessen Kontrolle die Region am Himalaya-Gebirge steht ist unklar: In einem Agenturbericht wird Gilgit-Baltistan als Hochburg der radikalen Islamistengruppe bezeichnet. Einer anderen Angabe zufolge werde sie von der pakistanischen Armee kontrolliert.

Laut der Armee waren insgesamt drei Hubschrauber mit Diplomaten und Journalisten an Bord auf dem Weg in die Region, als einer von ihnen im Naltar-Tal abstürzte und auf einer Schule aufschlug. Diese war jedoch zum Zeitpunkt des Unglücks geschlossen. Die Delegationen sollten während eines dreitägigen Besuchs in Gilgit-Baltistan Projekte besuchen und sich dort mit Sharif treffen.

Der Regierungschef drückte den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus und rief einen Tag der Trauer aus. Norwegen erklärte seine "große Trauer" über den Tod seines Botschafters. (APA, 8.5.2015)

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