Disput im ÖFB wegen Nicht-Wahl Blatters

8. Mai 2015, 17:15
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Salzburger Hübel fordert mehr Distanz und verließ im Protest eine Präsidiumssitzung – ÖFB-Präsident Windtner: "Dass Blatter nicht gewählt wird, war für alle klar"

Wien – Im Präsidium des ÖFB menschelte es, und Schuld daran hat FIFA-Präsident Sepp Blatter. Die Debatte darüber, wie man sich bei der kommenden FIFA-Wahl verhalten solle, ging dem Präsidenten des Salzburger Fußballverbandes Herbert Hübel nicht weit genug. Er wollte ÖFB-Präsident Leo Windtner zu einer offensiveren Distanzierung drängen, als Blatter einfach nur nicht zu wählen. Als er damit nicht durchkam, verließ er laut einem Bericht in "News" im Protest den Raum und kam nicht mehr zurück.

"Für uns war das eher etwas überraschend", sagt sein Präsidiumskollege Horst Lumper im Gespräch mit dem STANDARD: "Mir kam das nicht so dramatisch vor." Hübel sagt: "Ich wollte unseren Präsidenten wachrütteln." Er wollte, dass Windtner ein Zeichen setzt, das sage: "Wir wollen einen Wechsel, Transparenz, eine neue FIFA." Es solle vor allem nicht der geringste Anschein entstehen, dass man Blatter in der geheimen Wahl vielleicht doch gewählt und sich arrangiert hat: "FIFA yes, Blatter no."

Blatter wird nicht gewählt

Windtner stellt klar, dass es nie zur Debatte stand, Blatter die Stimme zu geben: "Dass Blatter nicht gewählt wird, war für alle klar und wurde im Präsidium auch einstimmig so beschlossen." Das bestätigt der burgenländische Verbandspräsident Gerhard Milletich, der es auch diplomatisch richtig findet, dass der ÖFB-Präsident seinen Verband in der FIFA nicht exponieren möchte. "Das kann sich vielleicht Deutschland erlauben, aber als kleiner Verband kann man ohne so einen offensiven Vorstoß gleich viel erreichen."

Windtner sieht "keinen Sinn" in Hübels Ansinnen. Blatter wird immerhin ziemlich sicher auch in Zukunft der Chef des Weltfußballverbandes sein und dafür die Unterstützung aus so ziemlich allen anderen Teilen der Welt erhalten. "Österreich war immer ein Mitglied der Verständigung und nicht der Konfrontation in der UEFA und FIFA", findet Windtner.

Noch nicht klar, wer ÖFB-Stimme erhält

Das endgültige Abstimmungsverhalten wird der Oberösterreicher mit den anderen europäischen Verbänden koordinieren. Dabei geht es darum, welchen der dann noch verbleibenden Konkurrenten von Blatter man unterstützt. Nach aktuellem Stand sind das der Portugiese Luis Figo, der Niederländer Michael van Praag und der Jordanier Ali bin Al-Hussein. Der eine oder andere könnte aber noch vor der Wahl aussteigen.

Der Beschluss zu diesem Verhalten erfolgte dann zwar einstimmig, aber naturgemäß ohne Hübel. "Ich glaube aber auch, dass er den Beschluss mitgetragen hätte", sagt der Vorarlberger Lumper. Tatsächlich war Hübel mit dem Ergebnis schlussendlich zufrieden: "Blatter nicht mehr zu wählen. Das war mir wichtig. Ich bin sehr erfreut, dass die Kollegen so mitgezogen haben."

Hübel denkt aber nicht, dass es einen UEFA-Konsens für einen Kandidaten geben wird. Er verweist etwa auf Russland, dem 2018 unter Blatter die Weltmeisterschaft zugesprochen wurde. Tatsächlich zeichnet sich ein gemeinsamer Kandidat einige Wochen vor der Wahl nicht ab. Dass der Schweizer Amtsinhaber deshalb kollektiv die UEFA-Unterstützung erhält, gilt aber als undenkbar. (Tom Schaffer, 8.5.2015)

  • Leo Windtner will Josef Blatter nicht wählen.
    foto: apa

    Leo Windtner will Josef Blatter nicht wählen.

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