Monsanto greift mit Milliarden nach Syngenta

8. Mai 2015, 17:24
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Der US-Konzern will seinen Schweizer Konkurrenten schlucken, der ein 45-Milliarden-Dollar-Angebot abgelehnt hat

St. Louis / Basel / Wien - Wenn man die Börse als Indikator nimmt, dann gibt es kaum einen Zweifel, dass der von Monsanto geplante und vom Syngenta-Management noch bekämpfte Deal früher oder später ins Ziel führen wird. Kurz nach Bekanntwerden des Übernahmeangebots von Monsanto ist der Kurs der Syngenta-Aktie um mehr als 20 Prozent in die Höhe geschnellt. Auch Monsanto-Aktien waren deutlich im Plus.

Wenn man aber die Reaktionen globalisierungskritischer und Entwicklungshilfe-Organisationen in Betracht zieht, ist die geplante Fusion kritisch zu sehen. Denn es würde ein Konzern entstehen, der in einem so sensiblen Bereich wie der Bereitstellung von Saatgut samt dazugehörigen Pflanzenschutzmitteln einen weltweiten Marktanteil von rund 40 Prozent hätte. Es käme also zu einer weiteren Konzentration in einem Markt, der bereits jetzt von einer Handvoll Großkonzernen dominiert wird: neben den beiden etwa DuPont, Pioneer, BASF, Dow und BayerCropScience. Sie alle haben auch gentechnisch veränderte Pflanzen (GVO, gentechnisch veränderte Organismen) im Programm. Weltweit führend im GVO-Geschäft ist Monsanto; der Konzern hat eine dominante Marktposition bei Gentech-Saatgut für Mais und Soja.

Erhebliche Folgen für Bauern

Eine weitere Konzentration beim Saatgutangebot hätte gravierende Folgen für die Landwirtschaft in Entwicklungsländern, meinen Beobachter. Für die armen Kleinbauern sei es essenziell, dass sie nicht nur auf eine Handvoll von Anbietern angewiesen sind.

Die aktuelle Entwicklung spricht eine andere Sprache. Laut dem Gentechnik-Lobby-Verband ISAAA wird - mit Ausnahme von Europa - immer mehr GVO-Saatgut samt dem dazugehörigen Pflanzenschutzmittel verwendet. Laut ISAAA wurden im Vorjahr 181,5 Mio. Hektar in 28 Ländern mit GVO bepflanzt. 2013 waren es noch 175,2 Mio. Hektar in 27 Ländern. Steigende Weltbevölkerung und sich ändernde Essgewohnheiten würden der Gentech-Branche in die Hände spielen.

Diese Überlegungen dürften eine Rolle gespielt haben, als Monsanto am Freitag mit dem Vorhaben an die Öffentlichkeit ging, Konkurrent Syngenta um 45 Milliarden Dollar, das sind umgerechnet knapp 40 Milliarden Euro, übernehmen zu wollen. Die Antwort aus Basel, dem Konzernsitz von Syngenta, folgte prompt und lautete Nein.

Das Angebot von 449 Schweizer Franken je Aktie und einem Baranteil von 45 Prozent unterschätze die Perspektiven von Syngenta "fundamental", ließ das Management wissen. Zudem gebe es erhebliche regulatorische Risiken, etwa mögliche kartellrechtliche Bedenken in vielen Ländern. Der Verwaltungsrat habe das Angebot der Amerikaner "nach gründlicher Prüfung einstimmig abgelehnt", so das Management.

Damit ist das letzte Wort in Sachen Fusion aber noch nicht gesprochen, ist man sich in der Branche einig. Analysten meinten, es stecke Logik hinter dem Vorstoß von Monsanto: Der US-Konzern benötige neue Agrochemie-Produkte, weil das Saatgut des Konzerns eine zunehmende Resistenz gegenüber den angebotenen Pflanzenschutzmitteln entwickele. Ein Zusammengehen würde ein "Powerhouse" schaffen.

Auch soll Monsanto schon seit mehr als einem Jahr aus steuerlichen Gründen sondiert haben, seinen Firmensitz - derzeit in Missouri, USA - in die Schweiz zu verlegen. Dieser Plan wurde wieder zurückgezogen, da er bei Monsantos Hauptkunden, den US-Farmern, auf wenig Verständnis gestoßen wäre. In der Schweiz herrscht übrigens derzeit ein Gentech-Moratorium, das bis Ende 2017 gilt. Wie die Schweiz dann mit Gentechnik in der Landwirtschaft umgehen wird, ist offen.

Vorstoß schon im Vorjahr

Erste ernsthafte Kontakte in Sachen Fusion zwischen Monsanto und Syngenta wurden ebenfalls vor gut einem Jahr ruchbar. Schon damals haben die Amerikaner einen möglichen Kauf des Schweizer Konzerns ausgelotet. Die Gespräche wurden Ende Mai 2014 beendet. Damals wurde noch der strategische Sinn in Zweifel gezogen; auch wettbewerbsrechtliche Bedenken wogen schwer. Jetzt aber soll der vorsorgliche Verkauf von Unternehmensteilen zum Übernahmekonzept gehören.

In der Zwischenzeit ist der Kostendruck in der Branche gestiegen. Zusammen könnten Ausgaben für Forschung und Entwicklung erheblich gesenkt werden, argumentieren die Experten von Bank of America / Merrill Lynch. Außerdem bringt Geld, das auf der hohen Kante liegt, aufgrund der niedrigen Zinslandschaft null Ertrag. (stro, ruz, 8.5.2015)

  • Der Schweizer Konzern Syngenta ist einer der größten Konkurrenten von Monsanto.
    foto: reuters/wiegmann

    Der Schweizer Konzern Syngenta ist einer der größten Konkurrenten von Monsanto.

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