Staatsanwalt ermittelt wegen Geheimnisverrats

7. Mai 2015, 18:38
19 Postings

Prüfungsfragen während der Deutschmatura von Zeitung im Internet veröffentlicht - Grazer Direktor ließ Prüfungsunterlagen im Heizungskeller filmen

Die Zentralmatura wird zum Fall für die Staatsanwaltschaft und die Disziplinarbehörden. Noch während die Deutschmatura gelaufen ist, hat die Tageszeitung "Die Presse" bereits am Dienstagvormittag auf ihrer Website die Prüfungsfragen veröffentlicht. Das Bildungsministerium erstattete Anzeige gegen unbekannte Täter bei der Staatsanwaltschaft Wien, berichten die "Salzburger Nachrichten".

Gekommen sind die Prüfungsfragen aus dem Gymnasium in der Wasagasse im 9. Wiener Gemeindebezirk. Das geht aus der Nummer hervor, die auf dem im Internet veröffentlichten Deckblatt der Prüfungsfragen zu sehen ist. Das Ministerium habe deshalb eine Anzeige gegen unbekannte Täter eingebracht, weil man nicht wisse, wer genau die Fragen weitergegeben habe. Jedenfalls muss es jemand aus dem Lehrkörper gewesen sein, da es sich um eingescannte Dokumente und keine Pressefotos handelt. Der Täter macht sich möglicherweise der Verletzung des Amtsgeheimnisses strafbar. Das Bildungsministerium hat in einem Erlass festgeschrieben, dass Lehrer und Direktoren bei der Zentralmatura zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. Wer dagegen verstößt, muss auch mit disziplinarrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Direktor: "Nichts weitergegeben"

Der Direktor des Gymnasiums, Johannes Bauer, verteidigt seine Schule: "Von uns wurde nichts weitergegeben. Ich lege für meine Lehrer die Hand ins Feuer." Bauer bestreitet nicht, dass Medienvertreter am Tag der Deutschmatura anwesend waren. Wie die Medien zu den Fragen gelangt seien, könne er nicht sagen.

In Graz geriet ein Direktor ins Visier des steirischen Landesschulrats, weil er in der ORF-Sendung "Report" noch vor Beginn der Zentralmatura zeigte, dass er mangels eines Tresors die Prüfungsunterlagen in einem Heizungskeller aufbewahrte. Er wurde von seiner vorgesetzten Dienstbehörde mündlich abgemahnt, weil er die Geheimhaltung und damit Dienstpflichten verletzt habe.

In Wien wie in Graz wurde umgehend auf die Fälle reagiert. "Aus gegebenem Anlass wird dringend darauf aufmerksam gemacht, dass keine Aufbewahrungsorte der Prüfungspakete und keine Prüfungsräume gefilmt bzw. bekannt gegeben werden dürfen", erging ein Rundschreiben an die Schulleiter in der Steiermark. Der Wiener Stadtschulrat hat jetzt untersagt, dass Journalisten vor oder während der Abschlussprüfung in die Schulen kommen.

Share if you care.