Borsalino-Hüte vor der Pleite gerettet

7. Mai 2015, 18:27
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Genfer Investor will Italiens Kultbetrieb sanieren

Italiens Modefans atmen auf. Borsalino, der Kult-Hutmacher aus Alessandria in Norditalien, geht nicht in Konkurs. Der sogenannte "Weiße Ritter", ein erfolgreicher Finanzunternehmer vom Genfer See, hat sich bereiterklärt, das Imperium plus Schulden zu übernehmen bzw. zu finanzieren.

Zu Wochenmitte hat der Verwaltungsrat von Borsalino Giuseppe & Fratello einen Kompromiss mit Philipp Camperio unterschrieben. Nun müssen noch die Gläubiger dem Deal zustimmen. Der Banker Camperio hat zwar Schweizer Wohnsitz und Staatsbürgerschaft. Doch seine Wurzeln liegen in Norditalien. Seine Familie wanderte Mitte des 20. Jahrhunderts in die Schweiz aus. Sein Urahne Giannino, ein bekannter Fußballspieler, zählte zu den Gründern des Mailänder Fußballvereins AC Milan. Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, der Milan vor 30 Jahren übernommen hatte, will den auf der Verliererliste stehenden Verein nun an die Asiaten verkaufen. "Philippe hat mehr Vertrauen in die Zukunft von Borsalino, als in jene von AC Milan", spötteln Mailänder Medien.

Die Rettung des durch Filme und Schauspieler von Humphrey Bogart über Alain Delon bis Jean-Paul Belmondo bekannt gewordenen Borsalino-Huts soll durch die Gründung der neuen Gesellschaft Haeres Equita erfolgen: Diese - im Eigentum von Camperio - mietet die Borsalino-Gruppe. Sie verpflichtet sich, die Produktion mit 120 Mitarbeitern in Alessandria zu erhalten, den Steuerfehlbetrag von 15 Millionen Euro zu begleichen und die anderen Marken, Heavens und Ready to wear, umzustrukturieren und zu sanieren.

"Es ist kein einfacher Weg, doch ich habe volles Vertrauen in Borsalino" , ließ der 44-jährige Camperio wissen. Schließlich hat Borsalino Aufträge von 15 Millionen Euro. Diese konnten bislang nicht umgesetzt werden, da das Geld für Lieferanten fehlte. Der Verursacher des finanziellen Borsalino-Zusammenbruchs, der einstige Miteigentümer und Chef Marco Marengo, sitzt hinter Schloss und Riegel eines Gefängnisses in der Südschweiz, in Lugano. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 8.5.2015)

  • Ein weißer Ritter für Borsalino: Philipp Camperio greift zu.
    foto: reuters

    Ein weißer Ritter für Borsalino: Philipp Camperio greift zu.

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