Bitterer Beigeschmack der Schokolade

8. Mai 2015, 06:17
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Die Schokoladeproduzenten hegen Sorge, dass ihr wichtigster Rohstoff künftig knapper wird denn je

Wien – In der Süßwarenindustrie geht die Angst um. Auslöser dafür ist eine kleine braune Bohne. Immer wieder war der Kakaomarkt in den vergangenen Jahren wie leergefegt, und die Preise jagten nach oben. Nun wachsen die Sorgen der weltweiten Schokoladeproduzenten, dass ihr wichtigster Rohstoff künftig knapper denn je wird.

70 Prozent des Kakaos werden in Côte d'Ivoire und Ghana angebaut, für den Rest sorgen asiatische, mittel- und südamerikanische Länder. Es sind überwiegend Kleinbauern, die mit den Bohnen ihr Auskommen suchen, vor allem in Afrika gedeihen 90 Prozent davon abseits großer Plantagen.

Die Ernte ist zuletzt stark gesunken. Die Fruchtbarkeit der Böden nimmt ab, die Baumbestände sind oft überaltert, rückständige Landwirtschaftspraktiken lassen kaum Produktivitätssteigerung zu. Ghanas Bauern sind im Schnitt 57 Jahre alt, und Nachfolger fehlen. Aufgrund fallender Erträge mangelt es an Geld für nötige Investitionen. Kinderarbeit ist weit verbreitet.

Unter der Armutsgrenze

Von den Preisausschlägen nach oben profitierten vor allem Spekulanten. In Côte d'Ivoire lebt fast die Hälfte der Kleinbauern mit weniger als 250 Euro im Jahr unter der Armutsgrenze des Landes.

Zugleich jedoch steigt der weltweite Hunger nach Kakao. In Indien, China, Brasilien wächst eine Mittelschicht heran, die Schokolade begehrt. Die Industrie sieht sich daher gezwungen, in den Anbau der Bohne zu investieren und damit in bäuerliche Strukturen.

Nachhaltige Landwirtschaft

Konzerne wie Mars und Ferrero – neben Nestlé und Mondelez die größten Weiterverarbeiter – unterwerfen sich dabei zusehends den Regeln des fairen Handels. Ferrero hat für die kommenden zwei, drei Jahre die Abnahme von rund 20.000 Tonnen an Fairtrade-Kakao zugesichert. Bis 2020 wollen fast alle Riesen der süßen Branche nachhaltige Landwirtschaft unterstützen, allein schon aus Selbstschutz – damit ihre Lieferquellen in Afrika nicht weiter versiegen.

Große Konzerne üben sich derzeit im System des fairen Handels, ohne das entsprechende Label offen auszuweisen, erzählt Hartwig Kirner, Chef von Fairtrade Österreich. Hierzulande stellten zuletzt Heindl, Pischinger, Casali und die Schwedenbombe auf fair gehandelte Kakaobohnen um. Preiserhöhungen gab es keine, die Mehrkosten wurden geschluckt.

Mengenausgleich

Im Zuge eines neuen Kakaoprogramms dürfen Süßwaren das faire Logo auch tragen, wenn allein die Bohnen als wertbestimmende Zutat fairem Anbau entstammen. Für Konsumenten ist das transparent gemacht - für Bauern in Afrika, Asien und Südamerika sei es entscheidend, neue Vertriebswege zu erhalten, ohne dass dabei die Standards verwässerten, sagt Kirner. Ebenfalls auf der Verpackung ersichtlich: der Mengenausgleich.

Bei Kakao, Zucker, Tee, Fruchtsaft lassen es die noch geringen fair gehandelten Mengen vielfach nicht zu, dafür eigene Abfüllanlagen und Produktionen zu errichten. Die Kosten dafür wären zu hoch. Wo eine faire Orange draufsteht, ist daher nicht zwangsläufig eine fair produzierte drin. Die Gesamtbilanz jedoch stimmt.

149 Millionen Euro

Die Österreicher haben sich Fairtrade 2014 unterm Strich 149 Millionen Euro kosten lassen. Das ist ein Zuwachs von 15 Prozent, während der Lebensmittelhandel zugleich stagnierte. Die Direkteinnahmen für die Anbauländer stiegen um zehn Prozent. Neben Süßwaren erlebte vor allem fair produzierter Kaffee einen Schub. (Verena Kainrath, 8.5.2015)

  • Kleinbauern in Côte d'Ivoire liefern rund 40 Prozent des weltweiten Bedarfs an Kakaobohnen. Die Ernte sinkt seit Jahren.
    reuters

    Kleinbauern in Côte d'Ivoire liefern rund 40 Prozent des weltweiten Bedarfs an Kakaobohnen. Die Ernte sinkt seit Jahren.

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