Mit gepunktetem Bügelbrett im parteilosen ÖH-Wahlkampf

Video8. Mai 2015, 07:00
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Die Fraktion engagierter Studierender erwartet sich durch die Direktwahl einen Mandatsverlust auf Bundesvertretungsebene

Wien – Einen richtigen Stand, wie ihn andere Fraktionen haben, kann sich die Fraktion engagierter Studierender (Fest) nicht leisten. Ihr Wahlkampfbudget liegt unter 1000 Euro. "Das ist der Nachteil, wenn man keine Parlamentspartei im Hintergrund hat", sagt Spitzenkandidatin Magdalena Goldinger. Das Geld hat sich die Fraktion zusammengespart.

fischer

Die Fest hilft sich mit Haushaltsutensilien über das kleine Budget hinweg. Auf einem gepunkteten Bügelbrett vor der Fachhochschule Campus Wien liegen Buttons und Flyer auf. An einer Wäschespinne sind Infomaterialien mit Kluppen aufgehängt. "Dafür können wir machen, was wir wollen", sagt Goldinger. Keine Partei könne ihnen etwas vorschreiben.

Flexible Curricula und gleiche Rechte

Goldinger fordert, "ein Leben neben dem Studium" zu ermöglichen. Die Studien seien so verschult, dass es schwierig sei, sie mit Beruf oder Familie zu vereinbaren. Die 28-jährige Lehramtsstudentin für Mathe und Geschichte an der Pädagogischen Hochschule (PH) Wien ist selbst Mutter einer fünf Jahre alten Tochter. Mit Kindersitz und dem Spruch "Fest wählen gehen", der auf der Heckscheibe ihres Autos steht, tourt sie durch die verschiedenen Hochschulen.

foto: christian fischer
Das Fest-Team beim Flyerverteilen vor der FH Campus Wien.

Dort fordert sie, dass die Anrechenbarkeit "für alle Studien" gleich sein soll. Es soll egal sein, ob man an einer Uni, FH oder PH lernt. "Wir haben einen gemeinsamen Hochschulsektor, es darf also beispielsweise nicht sein, dass es an FHs drei und an Unis vier Prüfungsantritte gibt", sagt sie. Außerdem will die Fest "flexible Curricula". Für Goldinger bedeutet das, dass Lehrveranstaltungen am Abend angeboten werden und dass Studierende Schwerpunkte setzen können.

Die Fest sammelte ihre Sitze in der ÖH-Bundesvertretung vor allem über Mandate der FHs und PHs und zog so von Beginn an in den ÖH-Vorsitz ein. Diese Bundesvertretungssitze wurden bis zu den vergangenen Wahlen von den Hochschulvertretungen ohne Wahl bestimmt. Heuer stellt sich die Fest an den FHs und PHs erstmals einer Wahl durch Studierende. "Wir rechnen damit, Mandate und Prozent zu verlieren", sagt Goldinger.

Aktuell hat die Fest 14 von 100 Mandaten. Fünf bis sieben würde sie sich nach den Wahlen wünschen – bei einer ÖH mit nur noch 55 Sitzen. "Ich finde gut, wofür sie stehen", sagt Sophia. Sie studiert im ersten Jahr Sozialarbeit an der FH Campus. Wählen wird sie die Fest aber nicht: "Ich habe die Wahlkabine gemacht und hatte mehr Übereinstimmungen mit der Gras." (Oona Kroisleitner, 8.5.2015)

Hintergrund: Die Fraktion engagierter Studierender

Die Fest war bis zu den vergangenen Wahlen ein Zusammenschluss der Mandatare von FHs und PHs. An den beiden Hochschultypen bestimmten Vertretungen die Mandatare für die Bundesvertretung. Von den 25 Mandataren der FHs und PHs haben sich 13 der Fest angeschlossen. Ein weiteres Mandat wurde von den Studierenden bestimmt: Die Uni Wien, als einzige Uni an der die Fest 2013 erstmals als Liste kandidierte, vergab ein Mandat an sie.

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