Ein Studiengang wie eine Limousine

11. Mai 2015, 09:00
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Master der Menschenrechte oder diplomierter Weltraumingenieur: Universitätslehrgänge bieten viele Möglichkeiten zur Weiterbildung und beruflichen Spezialisierung - oft aber zu hohen Kosten, die immer öfter privat getragen werden müssen

Wien – Lisa belegt den postgradualen Lehrgang Environmental Technology and International Affairs. Ein Kooperationslehrgang der Diplomatischen Akademie und der TU Wien. Über 23.000 Euro muss sie dafür bezahlen. Seit sie 15 ist, jobbt Lisa regelmäßig neben Schule und Studium. Für das Studium bekam sie ein Stipendium von 1000 Euro von der Akademie, um den Rest zu bezahlen, löste ihren Bausparvertrag auf. Im Gegensatz zu Studienkollegen sitzt sie - dank Ersparnissen und eines gut bezahlten Nebenjobs - nicht auf Schulden.

Die Unis werben für ihre Lehrgänge mit dem Ausblick auf fachliche Exzellenz, eine praxisnahe Ausbildung und den Zugang zu hochkarätigen Netzwerken. Sie verknüpfen die berufliche Ausbildung der Fachhochschule mit den Studiengebühren der Privatunis; garniert mit dem althergebrachten Ambiente der öffentlichen Uni.

Die Beiträge liegen dabei vom Preis eines Kleinwagens bis hin zur Mittelklasse-Limousine. Die Höhe ist dabei gesetzlich gedeckelt: Sie müssen sich an den tatsächlichen Kosten für die Abhaltung des Studiengangs orientieren. Der Staat liefert bis auf wenige Ausnahmen keine Zuschüsse.

Mit 45.000 Euro steht der MBA Energy Management der Executive Academy der Wiener Wirtschaftsuni ganz oben auf der Preisliste der Lehrgangsangebote. Der Menschenrechtsexperte an der Universität Wien schlägt mit knapp 20.000 Euro zu Buche. Vergleichsweise günstig ist die Ausbildung zum Akademischen Experten für Ökologisches Garten- und Grünraummanagement: 7500 Euro müssen dazu auf dem Konto der Donau-Uni Krems landen. Auf das umsatzstarke Geschäft verzichtet aktuell unter den öffentlichen Unis nur die Akademie der bildenden Künste.

Mit rund 450 Lehrgängen und knapp 9000 Studierenden ist die Donau-Universität Krems die größte Anbieterin universitärer Weiterbildungen. Knapp 28 Millionen Euro wurden 2014 durch derartige Angebote eingenommen.

Problematischer Wildwuchs

Die grüne Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer kritisiert den "Wildwuchs" an Unilehrgängen: "Besonders problematisch ist es, wenn frei zugängliche Studienangebote durch kostenpflichtige ersetzt werden." Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) ist von den teils "horrenden" Preisen der Lehrgänge nicht begeistert. "Die Preise deuten darauf hin, dass Lehrgänge meist nur als Cashcows gesehen werden. Für einen Großteil der Bevölkerung sind sie schlichtweg nicht leistbar", sagt Florian Kraushofer (FLÖ) vom ÖH-Vorsitzteam.

Dennoch absolvieren derzeit rund 20.000 Studierende in Österreich einen Universitätslehrgang. Die meisten von ihnen finanzieren sich die Lehrgangsbeiträge, so wie Lisa, aus der eigenen Tasche - doch das war nicht immer so.

Bodo Schlegelmilch, Dekan der WU Executive Academy, sieht einen Trend: "Das Verhältnis von Eigen- bzw. Fremdfinanzierung hat sich gedreht: Vor fünf Jahren haben etwa zwei Drittel unserer Studenten einen Teil oder die ganze Studiengebühr von ihren Firmen finanziert bekommen." Jetzt ist es nicht einmal mehr ein Drittel. Auch an der Universität Wien sind ein Großteil der Lehrgangsteilnehmer Selbstzahler. Die Unterstützung von Arbeitgeberseite ist rückläufig, und Studierende wollen vermehrt unabhängig vom Arbeitgeber sein.

Lisa hofft jedenfalls, dass sich die Investition auszahlt und sie bald einen guten Job als Absolventin der Environmental Technology and International Affairs bekommen wird.

  • Unilehrgänge versprechen leere Hörsäle und intensive Betreuung.
    foto: heribert corn

    Unilehrgänge versprechen leere Hörsäle und intensive Betreuung.

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