Der Slum in Manila soll "smart" werden

8. Mai 2015, 05:30
33 Postings

Studenten der TU Wien erfassen auf den Philippinen die Elektroinfrastruktur in einem Teil des Armenviertels der Hauptstadt

Mit ihrer Übersetzerin läuft Antonella Amesberger die kleine Gasse zwischen schlecht verputzten Hütten und baufälligen Häusern entlang. Über ihnen schlängeln sich wirr die Stromkabel an provisorischen Pfeilern und unverputzten Mauern. Sie suchen eine Straßenlaterne. Als sie eine entdecken, sehen sie sich um. Vor dem Haus gegenüber steht eine Mutter, ein Kind auf dem Arm. "Funktioniert diese Laterne?", fragt Amesberger und deutet auf die Lampe.

Die Mutter bejaht, nachts funktioniere die Laterne. Es gebe allerdings auch ab und zu Stromausfälle. Amesberger macht Notizen auf einer Karte. Der Zustand der Lampe wird erfasst, die Antworten der Mutter vermerkt. Dann geht es weiter. Zur nächsten Laterne. Und zum nächsten Interview. Wenn es dunkel ist, wird sie wiederkommen und die Angaben der Mutter persönlich überprüfen.

Bessere Lebensbedingungen

Neun Studenten der TU Wien durchstreifen so einen kleinen Teil des Bezirks Paco in Metro Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Sie arbeiten an einem Projekt, das die Verbesserung der Lebensbedingungen in der informellen Siedlung zur Folge haben könnte. Ziel ist eine Datenbasis, auf deren Grundlage sich die Elektrizitäts- und Lichtsituation in dem Slum verbessern lässt. Doch nicht nur die Infrastruktur entscheidet über eine funktionierende Beleuchtung.

"Im Juni kommt mein Kollege vom Massachusetts Institute of Technology, und wir schauen uns die politische Repräsentation an", erklärt Katja Schechtner. Wenn sie von ihrer Arbeit spricht, fällt oft der Begriff "Smart City". Von am Reißbrett geplanten Megacitys in den Vereinigten Arabischen Emiraten hält sie wenig. Intelligente Konzepte sind "wichtiger für Entwicklungsländer, besonders für die schnell wachsenden urbanen Zentren". "Angepasste Städte", die den Bedürfnissen der Bewohner folgen, sollten der Kern jedes Konzepts sein.

Hoffen auf Projekt

Wenn die Datenerfassung und -auswertung der Studenten abgeschlossen ist, sollen die Daten so gut sein, dass sich mit der Asian Development Bank (ADB) ein Partner findet, der die Ergebnisse nutzen und ein Projekt auf die Beine stellen wird, das die Lebensbedingungen der Bewohner verbessert. Die Voraussetzungen dafür sind gar nicht schlecht. Die ADB hat ein Energy-for-all-Programm, das mit rund 1,8 Millionen Euro von Österreich gefördert wird. (Malte E. Kollenberg aus Manila, 8.5.2015)

  • In dem Slum in Manila untersuchen im Moment Studenten aus Wien, ob und wie viele Straßenlaternen funktionieren.
    foto: malte e. kollenberg

    In dem Slum in Manila untersuchen im Moment Studenten aus Wien, ob und wie viele Straßenlaternen funktionieren.

Share if you care.