Vorsorge durch Ultraschall: Zwei Babys, aber nur eine Plazenta

7. Mai 2015, 14:41
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Früher Ultraschall bei Zwillingsschwangerschaft kann helfen, das Risiko einzuschätzen

Berlin – Zwillingsschwangerschaften gelten immer als Risikoschwangerschaften. Das Risiko für Komplikationen erhöht sich, wenn sich beide Zwillinge eine Plazenta – auch Mutterkuchen genannt – teilen. Das können Ärzte im Ultraschall jedoch nur in der Frühschwangerschaft sicher feststellen, belegt eine aktuelle Studie aus den USA. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) empfiehlt Schwangeren, die erste Vorsorge-Ultraschalluntersuchung zwischen der 9. und 12. Schwangerschaftswoche unbedingt wahrzunehmen.

"Um das Risiko von Zwillingsschwangerschaften richtig einzuschätzen, ist es wichtig zu wissen, ob sich die Kinder eine Plazenta teilen oder nicht", erläutert Kai-Sven Heling, Leiter der DEGUM-Sektion Gynäkologie und Geburtshilfe. Stellt der Frauenarzt beim ersten Ultraschall eine Mehrlingsschwangerschaft fest, prüft er daher umgehend ob es sich um "monochoriotische" Zwillinge handelt, also nur eine Plazenta vorhanden ist – das "Chorion" bezeichnet den kindlichen Anteil der Plazenta. "Die Bestimmung ist jedoch nur bis zur 14ten Schwangerschaftswoche sicher möglich", erklärt Heling.

Zeitpunkt des Ultraschalls entscheidend

Beim zweiten Vorsorge-Ultraschall zwischen der 19. und 22. Woche lässt sich der keilförmige Ausläufer des Chorions, der für Schwangerschaften mit zwei Plazenten typisch ist, bereits nicht mehr eindeutig erkennen. Eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Stanford University in Kalifornien bestätigt, das der Zeitpunkt des Ultraschalls für die Bestimmung der Chorionizität entscheidend ist. Die Forscher um Yair Blumenfeld hatten bei 545 Frauen, die mit Zwillingen schwanger waren, den Befund des Ultraschalls durch eine Untersuchung der Plazenta nach der Geburt überprüft. Wie die Forscher kürzlich im Fachblatt "Journal of Ultrasound in Medicine" berichteten, wurde dabei jedes fünfte "monochoriotische" Zwillingspaar fälschlicherweise als "dichoriotisch" eingestuft. Die falschen Ergebnisse betrafen vor allem Untersuchungen zwischen der 15. und 20. Schwangerschaftswoche. Bei Untersuchungen bis zur 14. Schwangerschaftswoche lagen nur halb so viele Fehler vor.

Risiko für Wachstumsverzögerungen

Heling warnt vor einer falschen Bestimmung der Chorionizität. Denn die Plazenta versorgt die heranwachsenden Föten mit Nährstoffen und Sauerstoff. Teilen sich zwei Kinder eine Plazenta – dies ist bei den meisten eineiigen Zwillingen der Fall – ist das Risiko für Wachstumsverzögerungen, Früh- oder Totgeburt erhöht. Auch das sogenannte feto-fetale Transfusionssyndrom (FFTS) zählt zu den Komplikationen, die nur monochoriotische Zwillinge betreffen. Hierbei stehen die kindlichen Blutkreisläufe miteinander in Verbindung. Eines der Kinder wird besser mit Blut versorgt als das andere – ein lebensbedrohlicher Zustand für beide Kinder.

"Wird das FFTS frühzeitig erkannt, besteht die Möglichkeit, die Gefäßverbindungen per Laser vorgeburtlich zu verschließen oder die Geburt vorzeitig einzuleiten", erklärt Heling. Nach Erhebungen des AQUA-Instituts führten Ärzte im Jahr 2013 bei rund 80 Prozent der Schwangeren vor der 13. Woche erstmals eine Ultraschalluntersuchung im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung durch. "Möglicherweise unterschätzen manche Frauen die Bedeutung der frühen Vorsorge", kommentiert Heling. Grundsätzlich sei beim Ultraschall immer auch die Erfahrung und Qualifikation des Untersuchers entscheidend, betont der Experte. (red, 7.5.2015)

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