Masern-Impfung schützt indirekt auch vor anderen Krankheiten

8. Mai 2015, 05:30
388 Postings

Durch die Masern kommt es zu einer Art Immunamnesie, daher sind Betroffene anfälliger für andere Erkrankungen

Princeton – Die Masern-Impfung schützt wahrscheinlich indirekt auch jahrelang vor anderen Erkrankungen. Darauf weise der Vergleich von Daten zur Kindersterblichkeit vor und nach Einführung der Impfung hin, berichteten Forscher im Fachmagazin "Science". Das Masern-Virus schwächt das Immunsystem demnach auch noch lange nach einer durchgemachten Erkrankung und macht Betroffene anfälliger für andere Infektionen.

Die Einführung der Masern-Impfung vor rund 50 Jahren hatte zu einer Abnahme der Kindersterblichkeit geführt. Der Effekt war sogar größer als erwartet. Mit der Verhinderung von Masern-Infektionen allein ließ sich das nicht erklären.

Studien hätten schließlich gezeigt, dass das Masern-Virus das Immunsystem langfristig schwächt, erklären die Forscher um Michael Mina von der US-Universität Princeton. Eine mögliche Ursache ist demnach, dass wichtige Immunzellen – die Lymphozyten – nach der Masern-Infektion zwar auf die Bekämpfung des Masern-Virus eingestellt sind, bei der Abwehr anderer Keime aber fehlen.

Durch die Masern komme es zu einer Art Immunamnesie, in der Folge seien Betroffene anfälliger für andere Erkrankungen, heißt es in der Studie. Mina und seine Kollegen prüften nun, ob und wie lange sich dieser Effekt in der Bevölkerung nachweisen lässt. Dafür analysierten sie Gesundheitsdaten aus England, Wales, Dänemark und den USA vor und nach der Einführung der Masern-Impfung.

Herdenimmunität

Die Auswertung ergab, dass die Sterblichkeit durch andere Infektionen eng an das Vorkommen von Masern gekoppelt war – und zwar über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren nach einer Masern-Erkrankung. Die Masern-Impfung führe also nicht nur zu einer Herdenimmunität gegenüber diesem Virus, sondern auch gegenüber anderen Keimen, schlussfolgern die Forscher. Von Herdenimmunität spricht man, wenn sich eine Krankheit in der Bevölkerung nicht ausbreiten kann, weil sehr viele Menschen gegen den Erreger immun sind, etwa aufgrund einer breit eingeführten Impfung.

Masern-Viren sind weltweit verbreitet und extrem ansteckend. Menschen infizieren sich, wenn sie infektiöse Tröpfchen einatmen – etwa weil ein Erkrankter in der Nähe hustet oder niest. Ungefähr zehn Tage später beginnt die Krankheit mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Husten, Schnupfen oder auch einer Bindehautentzündung. Dann erscheinen die typischen rot-braunen Hautflecken. In der Regel klingen die Symptome nach einer bis eineinhalb Wochen ab. Es kann aber auch zu Komplikationen wie Lungenentzündung, Durchfall oder der besonders gefürchteten Gehirnentzündung kommen.

Die Weltgesundheitsorganisation hat sich zum Ziel gesetzt, die Masern bis spätestens 2020 weltweit zu eliminieren. Dafür ist in der Bevölkerung eine Immunität von mindestens 95 Prozent der Menschen in allen Altersgruppen nötig. (APA, 8.5.2015)

  • Die Einführung der Masern-Impfung vor rund 50 Jahren hat zu einem größeren Effekt geführt als erwartet.
    foto: apa/patrick seeger

    Die Einführung der Masern-Impfung vor rund 50 Jahren hat zu einem größeren Effekt geführt als erwartet.

Share if you care.