Was Schweifhaare über die Lebensweise von Pferden aussagen

7. Mai 2015, 12:23
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Wiener Forscher entwickelten eine Methode, mit der einzelne Haarabschnitte und deren chemische Informationen konkreten Zeitspannen zugeordnet werden können

Wien - Die Analyse der Schweifhaare von Pferden ermöglicht es, viel über deren Lebensweise über lange Zeiträume erfahren. Wie lang aber etwa die Periode ist, den ein Zentimeter Haar abdeckt, ließ sich bisher nur schätzen. Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben nun eine Methode entwickelt, mit der sich Haarabschnitte Jahreszeiten und in weiterer Folge genauen Zeitspannen zuordnen lassen.

Eine gängige Methode, die Lebensweise von Tieren nachzuvollziehen, ist die sogenannte Isotopenanalyse: Die Isotopenverhältnisse von Wasserstoff, Sauerstoff, Kohlenstoff und Stickstoff in einer Probe liefern etwa wichtige Erkenntnisse zur Wasseraufnahme, Ernährung und dem Lebensraum eines Tieres. In dieser Methode liegt auch für Martina Burnik Šturm und Petra Kaczensky von der Vetmeduni Wien der Schlüssel zur Erforschung der Lebensweise von Przewalski-Wildpferden, Wildeseln und Hauspferden in der mongolischen Gobi-Wüste.

Koexistenz im kargen Land

Die Tiere teilen sich den kargen Lebensraum in einem streng geschützten Areal mit etwa 9.000 Quadratkilometern im Südwesten der Mongolei. Da derart nahe Verwandte üblicherweise um Futter konkurrieren, wollen die Forscher herausfinden, wie es den Tieren möglich ist, gemeinsam in dieser Region zu leben.

Da die Schweifhaare besonders lang sind, steck darin potenziell viel Information. Diese wachsen aber unterschiedlich schnell. Daher lässt sich auch nicht einfach sagen, über welchen Zeitabschnitt des Lebens des Tieres ein Haarabschnitt eigentlich Auskunft gibt.

Zeitliche Zuordnung

Dieses Problem konnten die Forscher nun anhand der starken Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter in der Region auflösen: Denn entsprechend unterschiedlich ist auch die Zusammensetzung der chemischen Elemente in den Haaren der dort lebenden Tiere. Die Erstautorin der Studie Martina Burnik Šturm verglich dann die Daten aus den Haaren mit Satellitendaten der Region aus einer Datenbank der NASA. So konnte sie jedem Haar einen Sommer-Winter-Rhythmus zuordnen und in weiterer Folge errechnen, welchem Zeitraum ein Zentimeter Haar entspricht, heißt es in der Studie im Fachblatt "Rapid Communications in Mass Spectrometry".

"Unsere Methode liefert erstmals die Möglichkeit, die Lebensweise der Tiere zeitlich genau nachzuvollziehen. Zuvor waren die Ergebnisse, was den Zeithorizont betrifft, eher geschätzt als korrekt", so Šturm. Damit stehe Forschern nun eine relativ einfache Methode zur Verfügung, derartige Daten richtig zu interpretieren. (APA, red, 7.5.2015)

  • Eine Przewalski Stute mit ihrem Fohlen in der Mongolischen Gobi Wüste.
    foto: martina burnik šturm

    Eine Przewalski Stute mit ihrem Fohlen in der Mongolischen Gobi Wüste.

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