Ultranationalist Seselj zündete aus "Lust" Kroatiens Flagge an

7. Mai 2015, 11:54
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"biber"-Interview: Chef der Serbischen Radikalen Partei gibt Westen Schuld an Srebrenica-Massaker - "Ich bin kein Kriegsverbrecher"

Wien/Belgrad - Der vom UNO-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) wegen Kriegsverbrechen angeklagte serbische Ultranationalist Vojislav Seselj zündelt wieder. Im April setzte der Chef der Serbischen Radikalen Partei (SRS) etwa vor laufender Kamera die kroatische Flagge in Brand, weil er "Lust dazu" hatte, wie er im Interview mit dem Gratismagazin "biber" erklärte.

Der wegen Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und der nordserbischen Provinz Vojvodina angeklagte Seselj war Mitte November 2014 aus "humanitären Gründen" nach knapp zwölf Jahren Haft freigelassen worden. Mit einer Reihe von nationalistischen Aussagen sorgt Seselj seit seiner Rückkehr nach Belgrad für große Aufregung in der ganzen Region, vor allem in Kroatien.

"Verabscheue niemanden"

Auf die Frage, ob er Kroatien verabscheue, sagte er nun: "Nein, ich verabscheue niemanden. Sie sind unsere politischen Rivalen. Während des Krieges waren sie unsere Feinde. Außerdem agieren sie weiterhin anti-serbisch", so Seselj.

Dass das Massaker im bosnischen Srebrenica 1995 mit fast 8.000 Toten ein "großes serbisches Verbrechen" gewesen sei, stünde außer Zweifel. "Aber dieses Ereignis wurde vom Westen inszeniert", um einen "möglichst großen politischen und moralischen Schaden am serbischen Volk anzurichten", so Seselj. Zudem sagte er: "Srebrenica kann man nicht als Genozid bezeichnen."

"Ich bin kein Kriegsverbrecher"

Der Internationale Gerichtshof (IGH) als oberste Rechtsinstanz der Vereinten Nationen war im Jahr 2007 anderer Ansicht: Damals stellten die Richter in Den Haag fest, dass das serbische Massaker im Srebrenica 1995 ein Völkermord war. Zahlreiche ehemalige politische Führer und Offiziere der bosnischen Serben wurden bereits zu langen Haftstrafen verurteilt oder warten noch auf ein Urteil. Ende Februar sprach der IGH jedoch Serbien und Kroatien vom Vorwurf des Genozids frei.

Angesprochen auf seine Taten während der Jugoslawien-Kriege Anfang der 1990er, erklärte der Extremist: "Ich bin kein Kriegsverbrecher." Seselj behauptete in dem Interview auch, dass "keiner" seinetwegen gestorben sei.

Serbiens Zukunft sei "ganz klar radikal", so Seselj. Der SRS-Chef zeigte sich überzeugt, dass seine Partei regieren müsse - "nur so wird es Serbien aus der Wirtschaftskrise und der sozialen Armut schaffen". (APA, 7.5.2015)

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