Sturmgewehr-Hersteller wollte deutsche Medien bespitzeln lassen

7. Mai 2015, 15:04
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Nach kritischen Berichten über das Sturmgewehr G36 forderte Hersteller Heckler & Koch vom deutschen Verteidigungsministerium, den Militärischen Abschirmdienst einzusetzen

Berlin – Angesichts kritischer Berichte über das Sturmgewehr G36 wollte der Waffenhersteller Heckler & Koch im November 2013 gegen Journalisten vorgehen. Das geht aus einem als vertraulich eingestuften Dokument hervor, über das die Medien "Stern", "Süddeutsche Zeitung" und "Spiegel Online" am Mittwochabend berichteten. Darin wurde der deutsche Militärische Abschirmdienst (MAD) aufgefordert, gegen die negative Berichterstattung im Zusammenhang mit dem G36-Gewehr, das erst kürzlich wegen grober Mängel in den Schlagzeilen war, vorzugehen.

Die deutsche Verteidigungsminister Ursula von der Leyen bestätigte am Donnerstag in Teilen die Medienberichte kündigte Konsequenzen an. "Ich habe großes Interesse daran, dass der gesamte Sachverhalt rund um das G36 aufgeklärt wird", sagte die CDU-Ministerin.

Unterstützung des Verteidigungsministeriums

Heckler & Koch wurde bei diesem Vorhaben von der Rüstungsabteilung des deutschen Verteidigungsministeriums unterstützt: Die Abteilung Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung (AIN) versuchte demnach gemeinsam mit dem Hersteller, die kritische Berichterstattung über das G36 zu stoppen. Dazu sollte der MAD die Quellen für die Berichte finden und auch die Journalisten ausspähen. In der Anlage fanden sich unter anderem Berichte des "Spiegel", der "taz" und der "Zeit". Der MAD fühlte sich jedoch nicht zuständig und lehnte das Ansuchen einen Monat später ab.

Die Vorwürfe gehen aus einer Vorlage mit dem Titel "Gewehr G36 – Genese" hervor. Diese wurde durch das Büro von Verteidigungsministerin von der Leyen abgezeichnet, die nun zunehmend in Bedrängnis gerät. Die entsprechende Vorlage vom März 2014 habe die Ministerin nicht selbst gesehen, sie sei von einem Referenten bearbeitet worden, hieß es am Mittwochabend aus dem deutschen Verteidigungsministerium. (red, 7.5.2015)

  • Bundeswehr-Soldaten mit Gewehren vom Typ G36  von Heckler & Koch.
    foto: apa/dpa/patrick seeger

    Bundeswehr-Soldaten mit Gewehren vom Typ G36 von Heckler & Koch.

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