Jemen bittet UN um Bodentruppen gegen Huthi-Rebellen

7. Mai 2015, 14:11
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UN-Botschafter: "Barbarische Gewalt" stoppen – Verdacht auf Kriegsverbrechen

Sanaa/New York – Angesichts der Offensive der schiitischen Huthi-Rebellen im Süden hat der Jemen den UN-Sicherheitsrat um Hilfe durch den Einsatz von Bodentruppen gebeten. Der jemenitische UN-Botschafter schrieb am Mittwoch an das Gremium: "Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, dringend mit Bodentruppen zu intervenieren, um den Jemen, vor allem Aden und Taiz, zu retten."

Der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera berichtete unter Berufung auf das ihm vorliegende Schreiben, der Botschafter habe auch internationale Menschenrechtsorganisationen aufgerufen, die "barbarische" Gewalt gegen die schutzlose Bevölkerung zu dokumentieren. Der Brief sei an den litauischen Botschafter gegangen, der den Vorsitz im Sicherheitsrat zurzeit innehat.

Saudi-Arabien behält sich zugleich vor, auch mit Bodentruppen im Jemen einzugreifen. Es würden alle Optionen zur Bekämpfung der Huthi-Rebellen geprüft, sagte der saudiarabische Militärsprecher Ahmed Asseri am späten Mittwochabend dem TV-Sender Al-Arabija. "Auch eine Boden-Operation ist möglich", ergänzte der General.

Gefechte in Aden

Am Mittwoch war es nach Angaben von Bewohnern wieder zu heftigen Kämpfen zwischen der schiitischen Huthi-Miliz und Anhängern des geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansour Hadi in der Hafenstadt Aden gekommen. Eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz bombardiert seit Ende März Stellungen und Waffenlager der Huthis.

Die Aufständischen kontrollieren inzwischen weite Teile des Landes, darunter die Hauptstadt Sanaa. Bei den Kämpfen und Luftangriffen wurden seither nach UN-Angaben vom Dienstag 646 Zivilisten getötet und 1.364 verletzt.

HRW wirft Huthis Kriegsverbrechen vor

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch haben die Huthi-Rebellen zudem möglicherweise Kriegsverbrechen begangen, als sie zwei Frauen erschossen haben. Die Opfer seien Mitte April in Aden getötet worden, erklärten die Menschenrechtler am Donnerstag.

Human Rights Watch wirft den Rebellen zudem vor, sie hätten zehn Helfer festgehalten, die Sanitätsmaterial in eine Klinik bringen wollten. Die Männer seien erst nach ein bis zwei Wochen wieder freigekommen. In zwei Fällen hätten die Familien Lösegeld gezahlt.

Humanitäre Hilfe aus den USA

US-Außenminister John Kerry bemühte sich indes um eine Deeskalation des Konflikts. Er traf am Donnerstag in Saudi-Arabien Hadi und sollte später mit König Salman zusammenkommen.

Die USA versprachen zudem humanitäre Hilfe in Höhe von 68 Millionen Dollar (60 Millionen Euro) für die Betroffenen der Bombardements im Jemen. Das Geld solle den rund 16 Millionen hilfsbedürftigen Menschen zukommen, darunter 300.000 Binnenflüchtlinge, teilte das US-Außenministerium am Mittwoch mit. Es soll unter anderem für Wasser, Lebensmittel, Unterkünfte und medizinische Versorgung genutzt werden. Damit steigt die humanitäre Hilfe seit Herbst 2013 auf 188 Millionen Dollar.

Die USA unterstützen das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis. Aus Sorge vor iranischen Waffenlieferungen an die Huthis verstärkte das US-Militär bereits seine Flotte vor der jemenitischen Küste. Die USA wollen den Druck auf den Iran in der Region aufrechterhalten und Ableger der Terrororganisationen Al-Kaida und "Islamischer Staat" (IS) zurückdrängen. (APA, 7.5.52015)

  • Auch in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa kam es in den vergangenen Tagen zu Kämpfen und Luftangriffen.
    foto: reuters/khaled abdullah

    Auch in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa kam es in den vergangenen Tagen zu Kämpfen und Luftangriffen.

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