Zentralafrika kündigt Strafverfolgung französischer Soldaten an

7. Mai 2015, 08:29
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Armeeangehörige werden des Kindesmissbrauchs verdächtigt

Bangui/Paris - Die Zentralafrikanische Republik hat im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Kindesmissbrauch durch französische Soldaten rechtliche Schritte angekündigt. Diese richteten sich nicht gegen Frankreich, sondern gegen einzelne Soldaten, sagte Justizminister Aristide Sokambi am Mittwoch. Er sprach von "sehr schwerwiegenden Taten".

Im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen ist zudem jener UN-Mitarbeiter wieder eingestellt worden, der den Bericht mit den Vorwürfen eigenmächtig weitergeleitet hatte. Das Urteil des zuständigen UN-Gerichts sei bereits am Dienstag gefallen, der Mitarbeiter habe seinen Dienst inzwischen wieder aufgenommen, sagte ein Sprecher des UN-Menschenrechtskommissariats am Mittwoch.

Der schwedische UN-Mitarbeiter Anders Kompass war nach der Weitergabe der Informationen über den mutmaßlichen Missbrauch suspendiert worden und hatte dagegen Einspruch eingelegt. Allerdings soll auch nach seiner Wiedereinstellung weiter intern gegen ihn ermittelt werden. Kompass hatte den vertraulichen Bericht zu den Missbrauchsvorwürfen im Juli vergangenen Jahres an die französischen Behörden weitergeleitet, die daraufhin Ermittlungen einleiteten. Nach eigenen Angaben informierte er zuvor einen Vorgesetzten, was die UNO bestreitet. Mitte April wurde Kompass vom Dienst suspendiert.

Zeitraum zwischen 2013 und 2014

Mehrere Kinder hatten laut einem UN-Bericht ausgesagt, zwischen Dezember 2013 und Juni 2014 Opfer sexueller Gewalt am Flughafen der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui geworden zu sein, der damals von französischen Soldaten gesichert wurde. Zehntausende Menschen hatten sich dorthin geflüchtet. Den Ermittlungen zufolge sollen die Kinder im Alter zwischen neun und 13 Jahren gegen Essen oder Geld zu Sex gezwungen worden sein. Derzeit wird die Beteiligung von 14 französischen Soldaten geprüft.

Frankreich hatte den Militäreinsatz "Sangaris" angesichts der tödlichen Gewalt zwischen christlichen und muslimischen Milizen gestartet. Seit September 2014 sind in Zentralafrika Blauhelmsoldaten der Minusca genannten UN-Truppe im Einsatz. (APA, 7.5.2015)

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