Junge unbegleitete Flüchtlinge sollen Teil der Länderquote werden

6. Mai 2015, 17:41
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Minderjährige sollen bei der Quartiersuche wie Erwachsene behandelt werden

St. Pölten / Wien – Laut den Ankündigungen sollten bei der Landeshauptleutekonferenz am Mittwoch in St. Pölten unter anderem Verbesserungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Zentrum stehen. Doch rasche Maßnahmen, um unter 18-jährige anhanglose Schutzsuchende jugendgerechter zu betreuen, wurden nicht vorgeschlagen.

Es herrsche "zusätzlicher Handlungsbedarf" sagte der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) nach der Sitzung vor der Presse. Die Zahl neu ankommender unbegleiteter Minderjähriger habe sich erhöht: von 2.260 im gesamten vergangenen auf inzwischen bereits 874 bis Ende März in diesem Jahr.

Auf Bundesländer aufteilen

Also solle man, wie bei erwachsenen Asylwerbern, auch bei Jugendlichen dazu übergehen, sie laut Bevölkerungsschlüssel auf die Bundesländer aufzuteilen. Und man solle die in den Bundesländern geplanten "Verteilerzentren", die die Erstaufnahmezentren Traiskirchen und Thalham ab Juli ersetzen sollen, auch für sie nutzen.

Bisher werden Kinder und Jugendliche zwar in die Länder-Flüchtlingsquoten mit eingerechnet, aber dort untergebracht, wo es minderjährigengeeignete WGs oder Heime gab: ein schwerfälliges System, das laut Katharina Glawischnig von der NGO Asylkoordination aber den neuen Plänen vorzuziehen sei. "Jugendliche Flüchtlinge, vielleicht auch noch einzeln, in abgelegenen Gemeinden unterzubringen widerspricht deren Bedürfnissen voll und ganz", sagte sie zum STANDARD.

Mangels geeigneter Kinder- und Jugendquartiere leben derzeit über 800 unter 18-jährige Asylwerber im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen – 107 von ihnen sind laut Innenministerium jünger als 14 Jahre. Hauptgrund dafür, so Pröll, sei, dass der für die Betreuung jugendlicher Flüchtlinge gezahlte Grundversorgungshöchsttagsatz von 77 Euro nicht ausreiche. Also müsse der Tagsatz erhöht werden.

Volksanwalt: Tagsatz erhöhen

Tatsächlich steht für junge Flüchtlinge mit besagten 77 Euro weniger als die Hälfte jener Summe zur Verfügung, die die Kinder- und Jugendhilfe für die Unterbringung einheimischer Jugendlicher erhält. Darauf hatte kürzlich auch SOS Kinderdorf hingewiesen, das mit Zusatzmitteln aus Spenden 100 kindergeeignete Unterbringungsplätze für Flüchtlinge schaffen will. Am Mittwoch sagte Volksanwalt Günther Kräuter den Forderungen des Landeschefs nach Tagsatzerhöhung Unterstützung zu. (bri, 6.5.2015)

  • Massenbetrieb im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen: Mehr als die Hälfte – 800 – aller zurzeit dort untergebrachten Asylwerber sind jünger als 18 Jahre, 107  davon sogar unter 14 Jahre alt.
    foto: apa/techt

    Massenbetrieb im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen: Mehr als die Hälfte – 800 – aller zurzeit dort untergebrachten Asylwerber sind jünger als 18 Jahre, 107 davon sogar unter 14 Jahre alt.

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