Deutscher Bahnstreik: Keine Annäherung

6. Mai 2015, 17:43
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Die deutschen Lokführer lehnen den Schlichtungsvorschlag der Deutschen Bahn ab, der Streikschaden wird mit 220 Millionen Euro beziffert

Berlin - Die Pressekonferenz der Deutschen Bahn im Berliner Bahn-Tower wurde am Mittwoch sogar im deutschen Fernsehen live übertragen. Schließlich schlägt dem Bahnstreik mittlerweile so etwas wie nationales Interesse entgegen. Und Bahnchef Rüdiger Grube hatte für den Mittwoch schon werbewirksam in der Bild-Zeitung einen Lösungsvorschlag angekündigt.

Diesen trug er mit Personalvorstand Ulrich Weber um elf Uhr vor. Die Ideen der beiden Herren: Der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident und SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck soll als Schlichter in dem verfahrenen Konflikt fungieren. Gerne könne die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) auch eine unabhängige Persönlichkeit als "Kronzeugen" benennen.

Man müsse, so Grube, aus der verfahrenen Situation herauskommen. Denn: "Dieser Streik fügt uns einen enormen finanziellen Schaden zu." Dieser belaufe sich auf 220 Millionen Euro.

Bahn beißt auf Granit

Doch bei der GDL biss die Bahn auf Granit. Unter dem Jubel von streikenden Lokführer erklärte GDL-Chef Claus Weselsky wenig später in Köln: "Niemand sollte davon ausgehen, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund eines PR-Gags des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn die Streikaktionen beenden."

Somit ist es nicht gelungen, den aktuellen Streik abzukürzen. Seit Montag fahren in Deutschland die Güterzüge nur sehr eingeschränkt, am Dienstag begannen die Lokführer dann auch mit dem Streik im Personenverkehr. Erneut ist ein Ersatzfahrplan in Kraft, der zumindest den Einsatz jedes dritten Fernzuges garantiert.

Der Streik wird noch bis zum Sonntagmorgen weitergehen, das hatte die Gewerkschaft schon vor Beginn angekündigt. Es wäre dann der längste Streik in der deutschen Bahngeschichte. Die GDL fordert fünf Prozent mehr Lohn, eine Stunde weniger Arbeit pro Woche und das Recht, auch andere Berufsgruppen (wie Zugbegleiter) bei Tarifverhandlungen vertreten zu können.

Die Bahn will jedoch nur mit der Gewerkschaft Verhandlungen abschließen, die die Mehrheit hat. Das wäre bei den Zugbegleitern nicht die GDL, sondern die größere EVG. (bau, 6.5.2015)

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