Wenig Wettbewerb bei Rauchfangkehrern

7. Mai 2015, 07:49
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Die Rauchfangkehrer zählen trotz jüngster teilweiser Liberalisierung neben den Apotheken zu den letzten geschützten Branchen

Wien - "Der Neid ist groß", seufzt Josef Rejmar, dabei ließen sich in seiner Zunft beileibe keine goldenen Nasen verdienen. Rejmar ist Wiener Rauchfangkehrer in vierter Generation und als Innungsmeister darauf bedacht, sein Gewerbe gegen Unbill zu schützen. Und dieses droht aus Reihen der EU ebenso regelmäßig wie aus Österreich. Denn die Rauchfangkehrer zählen trotz jüngster teilweiser Liberalisierung neben den Apotheken zu den letzten geschützten Branchen der Marktwirtschaft.

Eine Novelle hat es heuer möglich gemacht, dass sich die Hauseigentümer ihre Feger frei wählen dürfen. Theoretisch - wenn es keine Gefahr abzuwehren gilt. In der Praxis aber gibt es weiterhin keinen Wettbewerb, ärgert sich Andreas Kreutzer. Und daran werde sich auch künftig nichts ändern, denn die Neuregelung in der Gewerbeordnung greife viel zu kurz.

Der Marktforscher hat Anfragen an 55 Wiener Rauchfangkehrer gestellt. Sieben von zehn lehnten es ab, ein Konkurrenzangebot zu ih- ren Kollegen zu legen. "Angeblich weil sie keine freie Kapazität haben. Das ist Frotzelei." Die Kehrtarife bewegten sich überwiegend am oberen Ende des gesetzlich erlaubten Rahmens. Zudem müssten sich die Österreicher für den Besuch der symbolischen Glücksbringer vielfach freinehmen - was in Summe jährlich 1,3 Millionen Urlaubstage ausmache. Monetärer Gegenwert: 65 Millionen Euro.

Günstige Meisterstunde

Rejmar sieht in all dem Polemik. "Auch wir müssen unsere Arbeit verrichten können." Ganz abgesehen davon, dass die Kehrtermine primär der Sicherheit der Bevölkerung dienten. Dass seine Zunft Höchsttarife ausreize, liege an der mit 45 Euro im Vergleich zu anderen Gewerken günstigen Meisterstunde, rechnet er vor: Die Betriebe seien anders nicht wirtschaftlich zu führen. Die Gewähr dafür, dass Preise niedrig blieben, seien vor allem die kurzen Anfahrtswege. Rejmar warnt: "In Deutschland führte die Liberalisierung bei den Schornsteinfegern zu Preissprüngen von bis zu 200 Prozent."

Weil dort die Eintrittsbarrieren in den Markt zu hoch sind, entgegnet Kreutzer. Ohne Monopole und bei ausreichend Anbietern reguliere sich der Markt jedoch selbst. Und das bedeutet aus seiner Sicht auch eine Anpassung der Arbeitszeiten an die Bedürfnisse der Kunden - ohne Preisaufschläge. Derzeit aber werde in Österreich ein Berufsstand künstlich groß am Leben erhalten. Und das, obwohl die Zahl der Rauchfänge aufgrund alternativer Heizsysteme sinke. Rejmar weist Überdimensionierung zurück: Anfang der 70er-Jahre gab es in Wien 180 Rauchfangkehrbetriebe, heute nur noch halb so viel.(Verena Kainrath, 7.5.2015)

  • Rauchfangkehrer im Glück
    foto: apa/fohringer

    Rauchfangkehrer im Glück

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