"Keine befriedigende Alternative zur EU-Mitgliedschaft"

Interview7. Mai 2015, 07:30
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Mark Boleat über das geplante EU-Referendum und mögliche Effekte der Unterhauswahl am Donnerstag auf den Standort London für den Bankensektor

STANDARD: Wie reagiert die Finanzindustrie auf die wohl unklaren Verhältnisse nach der Wahl?

Boleat: Wir sehen das nicht als Katastrophe an. Natürlich würden wir mit allen Gruppen zusammenarbeiten. Wichtig ist eine starke, entscheidungsfähige Regierung.

STANDARD: Wie stehen Sie zum Referendum über die EU 2017?

Boleat: Aus Sicht der City gibt es keinen Zweifel, dass wir ein vollwertiges Mitglied sein sollten. Die Volksabstimmung sorgt schon durch ihre Ankündigung für Unsicherheit. Diese würde noch stärker, je näher die Abstimmung rückt. Andererseits würde ein klares Resultat die Unsicherheit deutlich reduzieren. Die Diskussion der vergangenen Monate hat zu vielen Studien geführt, die alle das gleiche Ergebnis brachten: Es gibt zur Mitgliedschaft keine befriedigende Alternative.

STANDARD: Die Umfragen deuteten zuletzt auf eine größere Akzeptanz der EU, des Brüsseler Clubs, hin ...

Boleat: Das scheint so zu sein. Wobei nun nicht gerade die Liebe zur EU ausgebrochen ist.

STANDARD: Im Wahlkampf war vom EU-Referendum kaum die Rede ...

Boleat: Womit bewiesen wäre: Das ist kein großes Thema fürs breite Publikum, nur für Konservative.

STANDARD: Zwei große Banken, HSBC und Standard Chartered, denken laut über den Wegzug aus London nach. Beunruhigt Sie das?

Boleat: In beiden Fällen arbeitet die überwiegende Mehrheit der Angestellten gar nicht in Großbritannien. Es ist ganz natürlich, dass Banken regelmäßig über den besten Ort für ihr Hauptquartier nachdenken. Zumal inzwischen deutlich geworden ist, wie die Bankenregulierung in diesem Land zukünftig aussehen wird.

STANDARD: Premier David Cameron hat eine Bankenabgabe eingeführt. Außerdem müssen Finanzhäuser mehr Kapital vorhalten und ihre Investmentbank von anderen Geschäftsbereichen abgrenzen.

Boleat: Ja, viele Banken sehen das als erhebliches Problem. Das mag also Teil ihrer Überlegungen sein. Natürlich wollen wir nicht, dass diese Banken London verlassen.

STANDARD: Würde sich unter einer Labour-Regierung viel verändern?

Boleat: Das glaube ich nicht. Unser Wunsch lautet: Wir sollten die mittlerweile beschlossene Regulierung erst einmal in Kraft treten lassen und nicht schon bald wieder neue Gesetze beschließen. Es gibt ja bei notwendig erscheinenden Neuerungen oft auch ungeplante oder sogar ungewollte Auswirkungen. (Sebastian Borger, 7.5.2015)

Mark Boleat (65) leitet die Politikabteilung in der City of London. Der Verwaltungsbezirk ist für den größten Finanzplatz der Welt zuständig.

  • Mark Boleat: "Wichtig ist eine starke, entscheidungsfähige Regierung."
    foto: city of london

    Mark Boleat: "Wichtig ist eine starke, entscheidungsfähige Regierung."

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