Christoph Pepe Auer: Von inspirierenden Hörsünden und tiefen Tönen

Gespräch7. Mai 2015, 07:00
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Der Bassklarinettist und Saxofonist hat auf seinem Label, einer wichtigen Musikerplattform, die CD "Songs I Like" herausgebracht. Ein Gespräch mit dem vielseitigen Künstler über Eigeninitiative und peinliches Ö3-Hören

Wien - Es ist eine filigrane, für Jazzverhältnisse exzentrisch besetzte Kammermusik, die da im Radiokulturhaus langsam ins Schwingen kommt. Der Bassklarinettist steckt mit ein paar gehauchten Arpeggi den atmosphärischen Rahmen ab; Schlagwerk und Elektronik kommen hinzu - es fließt die Musik in konzentrierter Beschaulichkeit dahin. Später werden noch Cello und Drehleiher das Ihre zum - auch im Expressiven - recht filigranen Gesamteindruck beitragen.

Der Mann an der Bassklarinette, Christoph Pepe Auer, hatte nicht zufällig das erste Wort. Was da so sanft im Sinne von stilisierter "Weltmusik" daherkommt, ist die Liveversion von Auers geordnet-ruhiger CD Songs I Like. Kaum zu glauben, dass Auer einst als Schlagzeuger in einer Hartmetall-Band begonnen hat, bevor er sich dem Saxofon zuwandte, bevor irgendwer mit einer Bassklarinette daherkam und Auer dem "Instrument verfiel".

Andererseits: Biografien junger jazzorientierter Musiker von heute sind mitunter abenteuerlich. Ihr Wunsch, etwas Eigenes zu kreieren, einen eigenen Stil zu prägen, lässt sie herumirren und unbedingt die Nähe zum Jazz suchen. Der Tiroler (Jahrgang 1981) reflektiert auf der neuen CD seine Vergangenheit und bekennt denn auch fast entschuldigend, mit Ö3 aufgewachsen zu sein: "Leider nicht mit Klassik oder Jazz. Ich muss das so hinnehmen. Einige dieser Songs habe ich nun aufgegriffen und auf der CD unter dem Titel 90s Therapy verarbeitet."

Es geht also quasi auch um Aufarbeiten von Hörsünden. Andererseits kann Auer froh sein, dem Jazz und dessen Konventionen nicht sofort begegnet zu sein. Er weiß es selbst: "Sobald man Saxofon lernt, ist man beim Jazz. Ist auch eine totale Bereicherung, ich bin da völlig eingetaucht, habe nix anderes gemacht, habe vier Jahre lang nur geübt. Andererseits kommen dann Fragen: Wer bin ich als Musiker? Was will ich, in welche Richtung soll es gehen? Und wo ist das Eigene, Unverwechselbare?"

Nagende Fragen

Jazz kann bei solch nagenden Fragen auch wenig hilfreich sein - außer man definiert das Genre so großzügig wie Auer: "Ich sehe Jazz eher als Musizierhaltung, bei der die Improvisation eine integrale Rolle spielt. Worauf sich der jeweilige Musiker dann stilistisch bezieht - das ist das Individuelle. Auch die Jazzmusiker reflektierten früher Dinge, die in ihrer Zeit etwa im Kommerzbereich, jedenfalls außerhalb des Jazz musikalisch passierten."

Warum aber Bassklarinette? Es hatte, so Auer, nicht nur mit Klangfaszination zu tun. "Das Instrument ist im Jazz nicht so historisch beladen wie das Saxofon. Es gibt zwar Leute wie Louis Sclavis und Michele Portal, und früher gab es natürlich Eric Dolphy. Aber bei weitem gibt es nicht so viele Vorbilder wie beim Saxofon. Man kann mit der Bassklarinette aber auch soundmäßig mehr machen, sie ist reicher als das Saxofon. Man kann perkussiv klingen, aber auch wie ein Didgeridoo, wenn man will ..." Oder ganz poetisch, wie Auer mitunter im Radiokulturhaus, in diesem Kosmos aus Jazz, Weltmusik und Elektronik.

Auer bringt die CD übrigens auf seinem interessanten Label heraus, das quasi eine Musikeroase ist: Session Work Records "entstand ohne Businessplan", Auer und sein Kumpel, der Hang-Spieler Manu Delago, wollten nur ihr Projekt Living Room veröffentlichen. "Die Labelsuche war damals wenig zufriedenstellend. In etablierte Firmen kam man kaum rein. Und wenn doch, hatte man wenig davon, da unbekannte Künstler keine Priorität genossen. Manu und ich dachten, das können wir selbst auch."

Und da das mit den Plattenfirmen nur noch schlimmer wurde, gab es "unglaublich viele Anfragen. Wobei: Geld bieten wir nicht. Wir sind ein Musikerlabel, kein Produzentenlabel. Wir helfen aber beim Vertrieb, ein Einzelner schafft das nicht, im Kollektiv wird es möglich. Mittlerweile hat das Label 80 Produktionen hervorgebracht. Ein Auswahlkriterium ist übrigens der Drang, etwas Neues, Eigenes zu schaffen." (Ljubiša Tošić, 7.5.2015)

Christoph Pepe Auer

8.5., Imst, Tschirgart Festival; am 18. 5. in Graz, Murszene Festival

  • Entspannte Grooves: Bassklarinettist Christoph Pepe Auer - zurzeit unterwegs mit seiner neuen CD "Songs I Like".
    foto: julia wesely

    Entspannte Grooves: Bassklarinettist Christoph Pepe Auer - zurzeit unterwegs mit seiner neuen CD "Songs I Like".


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