Prag: Tumulte im Parlament wegen Marine Le Pen

6. Mai 2015, 16:21
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FN-Chefin kritisierte auf einer Konferenz die EU scharf - "Grab unserer Hoffnungen"

Prag - Zu tumultartigen Szenen kam es am Mittwoch im tschechischen Parlament bei einer internationalen Konferenz von nationalistischen und euroskeptischen Parteien. Als die Hauptrednerin, die Chefin des französischen Front Nationale (FN) Marine Le Pen, ihren Auftritt begann, brach im Saal ein Protest von rund 20 jungen Leuten aus, die Le Pen laut als "Faschistin" beschimpften.

Andere Teilnehmer der Konferenz, die unter dem Motto "Frieden und Prosperität nach der Ende der EU" stattfand, wollten den Demonstranten ihre Transparente entreißen, wobei es zu verbalen und auch kleinen physischen Zusammenstößen kam. Nach einer Minute wurden die Demonstranten aus dem Saal geführt.

"Gefährliches utopisches Projekt"

"Sie (in Tschechien, Anm.) haben Glück, bei Ihnen sind die Gegner bekleidet", reagierte Le Pen in Anspielung auf die Proteste am 1. Mai in Paris, wo Aktivistinnen der Bewegung FEMEN halbnackt eine Veranstaltung des FN gestört hatten.

In ihrer Rede kritisierte Le Pen dann die EU als ein "gefährliches utopisches Projekt". Die EU sei ein "Wahnsinn und versteckt sich unter der Flagge einer falschen Demokratie". "Der Euro vernichtet unsere Wirtschaft", erklärte sie weiter. Die EU werde von Leuten geführt, die nicht imstande seien, Europa "vor der größten Gefahr seit dem Zweiten Weltkrieg" zu verteidigen, sagte die FN-Chefin in Anspielung auf den Terrorismus.

Bei der Konferenz, die von Abgeordneten um dem Rechtspopulisten Tomio Okamura mitveranstaltet wurde, traten laut der CTK-Nachrichtenagentur auch der Chef der flämischen Nationalisten, Tom Van Grieken, und der außenpolitische Sprecher der FPÖ, Johannes Hübner, auf.

Le Pen war bereits am Dienstag nach Prag gekommen. Am Dienstagabend kam sie mit dem EU-kritischen ehemaligen Staatspräsidenten Vaclav Klaus zusammen. "Wir haben mit Marine Le Pen lieber Bier getrunken, als, wie manche moderne Linkspolitiker, für Selfies zu posieren", erklärte das Institut von Klaus das Treffen mit Fotos auf seinen Internet-Seiten. (APA, 6.5.2015)

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