Leadership-Lessons aus "Game of Thrones"

12. Mai 2015, 13:00
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Aus den Machtspielen und politischen Manövern des Serienhits lassen sich Tipps fürs Berufsleben ablesen

Jaime Lannister, der kein Leader sein will, Frauen in wichtigen Positionen, aber noch immer in stereotypen Verhaltensweisen gefangen oder die Notwendigkeit, sich immer und überall anzupassen wie Arya Stark. Wenn man will, kann man aus der weltweit beliebten Serie "Game of Thrones" auch Lektionen für Leadership oder das Berufsleben im Allgemeinen ziehen.

Für das "Wall Street Journal" haben dies nun drei Experten getan, die sowohl mit der Serie vertraut sind, aber auch die Unternehmenswelt kennen: Aimee Cohen, Autorin und Referentin zu Karrierefragen mit 20 Jahren Berufserfahrung, Waverly Deutsch, eine Professorin für Entrepreneurship an der University of Chicago Booth School of Business und Erich Dierdorff, Management-Professor am Driehaus College of Business der DePaul University.

1. Nachfolge

foto: 2013home box office, inc. /sky
Will nicht in die Führungsrolle: Jaime Lannister.

Das Wesentliche bei Leadership sei die Fähigkeit, andere zu beeinflussen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sagt Dierdorff. Für ihn erfüllen eigentlich alle Charaktere dieser Serie – zumindest irgendwann – dieses Hauptmerkmal, außer Jamie Lannister. "Jaime will kein Leader sein, er will lieber als Einzelner beitragen", sagt Deutsch. Dieser Wunsch steht allerdings im Gegensatz zum Willen seines Vaters, Tywin Lannister, der seine Nachfolge abklären will. Deutsch zieht den Vergleich zur Geschäftswelt: "Die Nachfolge kann etwas sehr schwieriges sein in der heutigen Zeit." Vielen Angehörigen der Generation X, die heute Nachfolge antreten müssten, würden Leadershiptrainings fehlen, die während der Krisenjahre gestrichen wurden. Der Generation Y wird sowieso nachgesagt, dass sie lieber nicht führen möchte.

2. Information

foto: 2013home box office, inc. /sky
Information als Quelle zum Erfolg – Jon Snow.

Eine der größten Lektionen aus "Game of Thrones" ist für die Entrepreneurship-Professorin, dass Information goldwert ist. Von Varys "little birds", die ihm allerhand Nützliches flüstern, bis zum Verständnis von Jon Snow für die Wildlinge: Information helfe den Menschen in der Serie zu überleben. In Unternehmen sei Information beziehungsweise ein Ungleichgewicht an Information essenziell für die Dynamik, sagt Deutsch.

3. Diversity

Jon Snow steht auch stellvertretend für einen weiteren Punkt aus "Game of Thrones" für die Corporate World: die Rolle von Außenseitern.

foto: ap
Im Moment, als dem Außenseiter alles zu viel wurde: Tyrion Lannister.

Viele der beliebtesten Charaktere bei "Game of Thrones" sind Außenseiter. Wer einem bei diesem Stichwort natürlich auch sofort einfällt ist Tyrion Lannister. Von seinem Vater und seiner Schwester erntet er nur Spott und Hass, aber als er selbst in die Leadership-Rolle kommt, überrascht er viele. Tyrion und Jon treffen in der Serie auch aufeinander – "Vergiss nie, was du bist", rät Tyrion Jon. "Der Rest der Welt vergisst es auch nicht. Trage deine Eigenschaften wie eine Rüstung – und sie können nie benutzt werden, um dir wehzutun."

Dierdorff beschreibt die Führungsqualitäten der beiden Außenseiter als authentisch. Ein angemessener Vergleich wäre der mit einem CEO, der vom Verkäufer an die Spitze aufgestiegen ist. Die Leute könnten sich mit solchen Personen identifizieren, sie glaubten, dass sie verstanden werden.

Und dennoch: Obwohl Tyrion Talent im Führen beweist, wird er oft nicht ernst genommen, weil er anders aussieht. Mit Anderssein müsse man sich in der Unternehmenswelt auch viel mehr auseinandersetzen, sagt Deutsch im "Wall Street Journal". "Ist Anderssein etwas, das einen von Führungspositionen fernhält, oder sollten wir es mit anderen Augen sehen, weil Anderssein einen zu einem besseren Leader qualifiziert?", fragt sie und nennt hier Apple-CEO Tim Cook als Beispiel, der sich als homosexuell geoutet hat. Für den Arbeitsplatz seien dies wichtige Fragen und ein Schrei nach mehr Diversity.

4. Ansehen

foto: ap
Daenerys will nicht nur eine Königin sein, sie will eine beliebte Königin sein.

Um eine erfolgreiche Führungsperson zu sein, muss man von seinen Angestellten und Mitarbeitern auch gemocht werden, kommen die drei Experten zu einem weiteren Punkt aus der Serie. Wer "Game of Thrones" kennt, der weiß, dass nett-sein nicht unbedingt zum Überleben hilft. "Nice guys finish last", heißt es im "Wall Street Journal" – Tywin, Stannis, Cersei oder Littlefinger stehen für Rücksichtslosigkeit und Angst. Wer in dieser Riege nicht fehlen darf ist Joffrey Baratheon. Obwohl er nicht lange regierte, folgten die Leute seinen Anweisungen.

Dierdorff sieht hier einen großen Unterschied zwischen Popkultur und Unternehmen. "Oft sagt man, dass man als Chef nicht liebenswert und nett sein kann, dass man bereit sein muss, harte Entscheidungen zu treffen", sagt er. Aber: "Führungspersonen treffen harte Entscheidungen, das hat aber nicht zu bedeuten, dass man das in unerträglicher Weise tun muss."

Positives Beispiel: Daenerys Targaryen, Mother of Dragons. Aimee Cohen ist sich sicher, dass Sympathie eine Rolle beim Führen spielt. "Ansonsten ist man Diktator." Daenerys will zwar herrschen, aber sie will eine beliebte und geliebte Herrscherin sein. "Sie will eine ganze Gefolgschaft und Leute hinter sich haben, die ihre Träume und Vorstellungen teilen."

5. Gläserne Decke

foto: sky
Kein stereotypes Frauenbild: Arya Stark.

Während George R. R. Martin, der Autor der Serie, dafür bekannt ist, dass er starke Frauencharaktere schreibt, bleiben viele von ihnen in den Frauen zugeschriebenen, stereotypen Eigenschaften gefangen, heißt es in der Analyse des "Wall Street Journals". Cersei operiere zum Beispiel hauptsächlich über andere – Männer –, die sie kontrolliere und beeinflusse. Margaery Tyrell wäre ein anderes Exempel für dieses Agieren. Auch sie zieht die Fäden hinter den Kulissen. Deutsch verweist auf die Arbeitswelt und Sheryl Sandbergs "Lean In": Wenn die Facebook-Führungsperson dort schreibe, dass es die Rolle von Frauen sei, in dieser Welt mitzuspielen, aber auf ihre Art und Weise, dann sei das genau die Parallele zur Serie. Die Frauen von Martin würden in der Serie genau das tun, sagt sie. Daenerys will zwar alleine herrschen, arbeitet aber vor allem mit ihrer Schönheit und Verführung.

Für viele der wenigen weiblichen CEOs sei die Balance zwischen einem weiblichen Auftreten und den mit Führungspositionen verbundenen aggressiven und männlich-stereotypen Charakteristika ein Drahtseilakt. Wie auch in "Game of Thrones" sind die wenigen weiblichen Chefinnen umgeben von mächtigen Männern.

Ausnahmen bestätigen auch hier wieder die Regel: Arya Stark und Brienne von Tarth, die als Kämpferin durch die Landschaften der Serie zieht, sind Frauen jenseits von klassischen Stereotypen: Arya ist die halbe Zeit als Junge verkleidet und schlägt sich alleine durch, Brienne als weiblicher Warrior. "Beide sind irgendwie Freaks, oder?", meint Deutsch. (lhag, 12.5.2015)

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