Kalifornien: Im Golden State geht das Wasser zur Neige

Ansichtssache6. Mai 2015, 15:09
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Der Gouverneur rief zum Wassersparen auf, die bewässerungsintensive Landwirtschaft ist davon aber noch ausgenommen

Der neue "Mad Max"-Film wurde in dürrem Ödland gedreht – man könne also froh sein, dass Kinoproduktionen ihren Weg zurück nach Kalifornien finden, twitterte US-Talkshow-Host Conan O'Brien kürzlich. Der Witz funktioniert, weil er nah an der Wahrheit liegt.

Tatsächlich hatten die Dreharbeiten für "Mad Max" zwar in der Wüste Namibias begonnen, ehe dort die stärksten Regenfälle seit über hundert Jahren für wuchernde Vegetation sorgten und die Crew nach Australien ausweichen ließen. Doch abseits der Kinoleinwand wird das fiktive postapokalyptische Setting im US-Bundesstaat Kalifornien mehr und mehr zur Realität.

"Heute stehen wir auf trockenem Gras"

Bewässerungsgräben und Bäche liegen brach, Felder vertrocknen, die unvermeidlichen Buschbrände sind Anlass regelmäßiger Massenevakuierungen. In der Sierra Nevada bleibt kaum noch Schnee liegen, und neben dem daraus resultierenden Fehlen der Schneeschmelze blieb auch die Winterregenzeit fast komplett aus. "Heute stehen wir auf trockenem Gras, wo eigentlich 150 Zentimeter Schnee liegen sollten", sagte Gouverneur Jerry Brown bei einem Lokalaugenschein Anfang April in den Bergen.

Meteorologen gaben bekannt, dass es sich beim vergangenen Jänner um den niederschlagsärmsten seit Aufzeichnungsbeginn in den 1870er-Jahren handelte. Laut Forschern der Eliteuniversität Stanford steht die schon seit vier Jahren andauernde und sich kontinuierlich verschlimmernde Dürre in direktem Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel.

Landwirte vom Spardiktat ausgenommen

Also erließ Brown im April "noch nie dagewesene Maßnahmen", um der Trockenheit im "Golden State" zu beizukommen. Der Wasserverbrauch in Kalifornien solle um ein Viertel reduziert werden. Die Kommunen wurden angewiesen, 4,6 Millionen Quadratmeter bewässerungsintensive Rasenflächen durch anspruchslosere Pflanzengärten mit Sukkulenten zu ersetzen.

Die Landwirtschaft ist derzeit vom Spardiktat noch ausgenommen, obwohl sie acht von zehn Litern des in Kalifornien verbrauchten Wassers beansprucht. Zur Herstellung eines Kilogramms Mandeln mit Schale werden laut einer Unesco-Studie über 17.000 Liter Wasser verbraucht. Und 80 Prozent der weltweiten Mandelproduktion finden in Kalifornien statt. Allein die Produktion der über 600.000 Tonnen exportierten Mandeln pro Jahr erfordert die gleiche Menge an Wasser, die alle Bewohner und Unternehmen der Metropole Los Angeles in drei Jahren verbrauchen. (mcmt, 6.5.2015)

foto: reuters/lucy nicholson
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Ein Hausbesitzer in Lakewood lässt seinen Pool in einen Garten für trockenheitsverträgliche Pflanzen umfunktionieren.

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Eine Brücke, die früher über das Wasser des Castaic Lake führte.

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Ein Golfplatz in der Palm Springs Area.

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Über der bisherigen Höchstwassermarke abgestellte Boote am Castaic Lake.

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Ehemals schwimmende Docks auf Grund: der Lake Cachuma in Santa Barbara

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Ein künstlich angelegter See mit künstlich bewässerten Gärten in Indio.

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