Muttertag allein feiern

7. Mai 2015, 16:21
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Danach Ruhe für ein Jahr

foto: matthias cremer

Pro
Von Karin Tzschentke

Was für ein spannender Tag. Warten, bis sie kommen. Gekampelt und geschnäuzt, im adretten Gewand. Nicht immer wirklich glücklich dreinschauend, die einen.

Schließlich machen sie es ja nicht ganz freiwillig. Sich pflichtgetreu in ihre Rolle einfügend, die anderen. Wer ist schon gerne Spaßverderber.

Die einen: die Kinder. Die anderen: die Mütter. Muttertags marschieren sie unter meinem Fenster vorbei in die umliegenden Gasthäuser. Drinnen sitzen sie dann zusammen in der lärmenden Gaststube. Bei Schnitzel und Schweinsbratl. Anschließend (bei Schönwetter) eine Runde im Park oder um den Häuserblock. Danach: Ruhe für ein Jahr (für die einen und die anderen).

Wer die Wahl hat, hat diese Qual nicht. Schlafen, bis das Kreuz wehtut. Gemütlich frühstücken. Löcher in die Luft schauen. Am Abend mit einer Freundin auf ein Glaserl Wein gehen und sich gemeinsam über die rücksichtsvollen Kinder freuen. Die uns einen Tag Urlaub gegönnt haben. Urlaub vom Muttersein.

Kontra
Von Andrea Schurian

Klar, manchmal würde ich schon ganz gern alleiner sein, im Railjet Salzburg-Wien etwa. Oder auch im Open-Space-Office, wie Großraumbüros so schön neudeutsch heißen. Ich bin auch überzeugte Solofernbedienerin, um auf Netflix die ganze Staffel Bloodline auf einmal reinzuziehen. Ich kann also einsam, zumindest an den meisten Tagen im Jahr. Nur, bitte, nicht am Muttertag, da gilt eisern Anna Galvadas kluger Romantitel: Zusammen ist man weniger allein.

Mag ja sein, dass andere Nachwüchse 365 Tage im Jahr zuvorkommend, hilfsbereit, höflich und knuddelig sind. Eher unwahrscheinlch, soll aber vorkommen. Nicht in meiner Familie. Doch am Muttertag herrscht, wie an Geburtstagen und zu Weihnachten, nahezu fast ungetrübte Vater-Mutter-Kinder-Wonne. Schlecht? Jaja, ich weiß, Muttertag: echt retro, wir emanzipierten Frauen finden den zweiten Maiensonntag offiziell pfui und streichen ihn ersatzlos aus dem Kalender. Aber, Freundinnen, das geht zu weit.

So ein Muttertag mit einer Extraportion Wir-haben-uns-lieb ist Rheumalind für die berufsgestresste Seele. (Rondo, 8.5.2015)

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