Alessandro Alessandroni und sein Album "Industrial"

8. Mai 2015, 10:43
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Das legendäre Soloalbum des als Gitarrist und Kunstpfeifer für Ennio Morricone bekannten Musikers aus dem Jahr 1976 ist wieder erhältlich

Im Jahr 1976 kannte die Weltöffentlichkeit den italienischen Musiker Alessandro Alessandroni als Gitarristen, der für seinen Freund aus Jugendtagen, Ennio Morricone, die eisig-schneidende Gitarre bei Sergio Leones The Good, The Bad and The Ugly spielte. Und man hörte ihn auch als Kunstpfeifer auf den Morricone-Soundtracks für Für eine Handvoll Dollar oder Spiel mir das Lied vom Tod. Selbst war er als Komponist nicht ganz so erfolgreich, zeichnete aber für gut 40 Filme verantwortlich, die thematisch vom einschlägigen Spaghetti-Western Dicke Luft in Sacramento über Lady Frankenstein bis zu Mondo Porno Oggi, Hard Sensation, Geständnis einer Nonne oder Porno Esotic Love (Black Emanuelle) reichen. Man sieht, dass hohe Kunst zwischendurch oft auch finanziell abgesichert gehört.

1976 spielte der mittlerweile 85-jährige Komponist das damals völlig unbeachtete und heute längst legendäre Soloalbum Industrial ein, welches nun klanglich renoviert sowohl als Download wie auf Vinyl erhältlich ist. Zeitgleich wie das Debüt der britischen Industrial-Music-Pioniere Throbbing Gristle entstand damals in einem Studio in Rom eine vor allem auf motorische Rhythmik, Minimalismus und Repetition setzende Musik, die mittels EMS-Modularsynthesizer, Tape-Loops, Streichern und einem von seinem Besitzer nicht gut behandelten Flügel tatsächliche Zukunftsklänge beinhaltete.

Es ist eine kalte, seltsame Welt, die sich hier vor dem Hörer ausbreitet. Ein Mann schlägt auf eine Blechplatte, der Dampfturbinen-Synthie spielt einen nervösen Jazz-Lauf. Darüber ploppt und ploingt es, das Klavier wird am offenen Herzen operiert, eine Gitarre spendet kurz Trost. Im selben Jahr folgte der Soundtrack für Liebes Lager. (schach, Rondo, 8.5.2015)

  • Alessandro Alessandroni – Industrial (Finders Keepers Records)
    cover: finders keepers records

    Alessandro Alessandroni – Industrial (Finders Keepers Records)

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